Kategorie: Allgemein

  • SysAdmin Day – Gedanken zum Tag des Systemadministrators

    SysAdmin Day – Gedanken zum Tag des Systemadministrators

    Der Tag des Systemadministrators ist die Erfindung…eines Systemadministrators. Ted Kekatos hatte die Eingebung, der eigene Berufsstand hätte einen jährlichen Gedenktag verdient. Das war um die Jahrtausendwende. Inspiriert wurde er durch eine Werbeaktion Hewlett-Packards für den damals brandneuen LaserJet 4000. Ich habe das entsprechende Bild leider nicht mehr im Web gefunden und kann daher nur Kekatos‘ Beschreibung wiedergeben: Mitarbeiter eines fiktiven Unternehmens bedanken sich mit Blumen und Obstkörben beim Systemadmin für die Installation neuer Drucker. Das gefiel Mr. Kekatos ungemein. Seit dem Jahre 2000 wird daher an jedem letzten Freitag im Juli der „System Administrator Appreciation Day“ mehr oder weniger ernsthaft, aber immerhin weltweit, begangen. Auf seiner Webseite SysAdminDay.com listet Kekatos auf, was sich Admins zu ihrem Ehrentag wünschen. Pizza ist immerhin dabei. Kekatos‘ Text bestätigt z.T. auch das elitäre Gehabe der Herren der Netze. Kekatos legt den Nutzern indirekt nahe, sie mögen ihre Admins doch bitte als Rockstars ansehen. Ja – warum eigentlich nicht?

    Systemadministratoren – was machen die eigentlich

    Die Aufgaben eines Systemadministrators sind bei weitem nicht darauf beschränkt, „seine Nutzer“ ständig zu disziplinieren. Admins gehören zum Stamme der Techniker, die sich mit allem, was moderne IT zu bieten hat, herumschlagen müssen: Leitungsstrukturen, Computern (vor allem natürlich Servern), Druckern, Telefonen, Netzwerkverteilern, Firewalls, Anwendungen im Netz und ja – manchmal tatsächlich auch mit dem Erteilen oder Entziehen von Berechtigungen. Es gibt jedoch keinen Admin mehr, der das gesamte Spektrum abdecken kann. Fortschreitende Spezialisierung ist heute das Maß der Dinge, Teamwork ist gefragt.

    Die sozialen Kompetenzen eines Systemadministrators…

    Foto: Public Domain

    …bilden sich vor allem in dieser Teamarbeit heraus. Man ist auf den Kollegen, den Spezialisten für die Dinge, die man selbst nicht beherrscht, zwingend angewiesen und versucht andererseits, auf dem eigenen Spielfeld ein guter Spezialist zu sein. Man plant gemeinsam, manchmal unter Missachtung der Vorschläge des höheren IT-Managements, das ohnehin keine Ahnung vom konkreten System hat. (Hier kommen die für Techniker typischen Dünkel wieder deutlich zum Vorschein, auch wenn sie häufig stimmen.) Man diskutiert gemeinsam Szenarien und Probleme, weist sich gegenseitig die notwendigen Aufgaben zu, um diese Probleme aus der Welt zu schaffen und neigt vor allem am Ende größerer Projekte zum geselligen Zusammensein. Im Team ist man sehr schnell beim Du. Die zum Gedankenaustausch genutzte Sprache ist volkstümlich, präzise und mitunter ziemlich derb. Sich ständig gegenseitig auf die Schippe zu nehmen, ohne den Fokus für die Sache zu verlieren, gehört zum Leben eines Systemadministrators und für mich persönlich sogar zum Spaß an meiner Arbeit dazu. Leute, die das nicht aushalten, sind meiner Meinung nach für den Beruf ungeeignet.

    Weil jeder weiß, dass eigene Fehler das gesamte System zum Absturz bringen können, arbeiten Techniker im allgemeinen sehr gewissenhaft. Das Vertuschen von Fehlern gilt unter ITlern als eines der gröbsten Fouls. Erfahrene Techniker reden untereinander meistens Klartext, weil sie sich bewusst sind, das Leugnen eigener Versäumnisse würde die Kollegen in die endlos weite Wüste sinnloser Fehlersuche schicken. Und am Ende würden diese Kollegen dann doch den wahren Schuldigen ermitteln. IT ist zwar sehr komplex, aber, verglichen mit dem Rest des menschlichen Lebens, so wunderbar logisch und erbarmungslos.

    Systemadministratoren und Nutzer

    Mit „ihren“ Nutzern pflegen Admins einen eher distanzierten Umgang. Aber nur ganz wenige genügen heute noch dem im Eingangstext vorgestellten Klischee, sie würden ihre Nutzer prinzipiell als totale technische Analphabeten ansehen und ihnen deshalb mit intern fest kodierter Verachtung entgegentreten. Persönlich sehe ich Nutzer als Kunden, die respektvoll behandelt werden wollen. Andererseits fordere ich als Admin den Respekt der Nutzer für meine Arbeit, insbesondere, dass meine Weisungen umgesetzt werden. Gegenseitiger Respekt schafft automatisch Abstand – Nutzer zu duzen – damit tue ich mich äußerst schwer.

    Die Distanz ergibt sich dennoch – und da sind wir wieder mitten in den Klischees – aus den völlig unterschiedlichen Herangehensweisen von Nutzern und Admins an die Technik. Nutzer sind auf deren Funktionieren angewiesen und erwarten deshalb vom Admin, dass er genau das möglichst 24 x 7 sicherstellt. Vor allem Nutzer mit dem Etikett „Chef“ kommen häufig mit dem lapidaren Spruch „Das System muss einfach laufen!“ um die Ecke, ohne näher darauf eingehen zu können (zu wollen), was sie konkret unter einem „laufenden System“ verstehen. (Solche Sentenzen mag ich ganz besonders.) Der Admin hingegen weiß aus eigener Erfahrung: Viele Fehler gehen auf das Konto der Benutzer selbst und manche davon sind in ihrer Entstehung für den Admin dermaßen abstrus, dass er innerlich zu schreien beginnt.

    Nutzern, die mit meiner Ironie bereits hinreichend vertraut sind, haue ich deshalb manchmal den Spruch „Der Nutzer ist der natürliche Feind des Admins“ um die Ohren. Solche kleinen Boshaftigkeiten kann man sich als Admin immer dann erlauben, nachdem man gerade irgendein Problem gefixt oder eine neue Funktionalität bereit gestellt hat.
    Auch wenn es die meisten Nutzer nicht zugeben werden: Trotz aller Distanz mögen sie ihren Admin (na ja – vielleicht nicht gleich so wie einen Rockstar…), weil er einfach (fast) immer dann zur Stelle ist, wenn sie Hilfe benötigen. Diese Hilfe zu gewähren, ist wiederum die eigentliche Erfüllung für die Admins, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben.

    Die Macht der Systemadministratoren

    Eigentlich ist der Admin nur ein Dienstleister – aber eben ein ganz besonderer. Admins haben nicht nur Zugriff auf alle Daten eines Netzwerkes, sie können durch ihre Arbeit (oder ggf. auch Arbeitsverweigerung) wichtige Abläufe in Unternehmen und Verwaltungen stark beschleunigen (oder eben lahmlegen); kurz gesagt: Sie sind in unserer technisierten Welt extrem wichtig und: Sie sind sich ihrer Bedeutsamkeit sehr wohl bewusst.
    Auch Admins werden von der Macht, die sie in den Händen halten, korrumpiert. Das fängt bei ganz kleinen Dingen, wie z.B. der Einteilung des eigenen Klientels in A- B- und C-Kunden an. Obwohl ich mir insgesamt Mühe gebe, „meine“ Nutzer diskriminierungsfrei zu betreuen, mache ich mich zum Typ A+ besonders gern auf den Weg (wenigstens positive Diskriminierung), während ich Typ C auch mal ein paar Tage im Wind hängen lasse; bei C- aus „erzieherischen Gründen“ sogar vorsätzlich. Manchmal ist es durch diese „erzieherischen Maßnahmen“ immerhin gelungen, Missstände zu beheben, manchmal haben C-Kunden danach sogar einen höheren Status erhalten.


    Für unverzeihlich halte ich dagegen Aktionen mancher Admins, die darauf abzielen, ihnen persönlich missliebige Personen eigenmächtig zu sanktionieren oder durch Weitergabe vertraulicher persönlicher Daten zu diskreditieren. Auch die gezielte Unterlassung notwendiger Arbeiten mit der Maßgabe, das System irgendwann abstürzen zu lassen, gehört für mich zu den NoGos; von direkter Sabotage gar nicht zu reden.
    Wer desgleichen überführt wird, verliert im Normalfall sofort seinen „nur-Dienstleister“-Job und das ist gut so.

    Systemadministratoren sind Vertrauenspersonen…

    … weil die Auslese bei gut begründetem Vertrauensverlust gnadenlos ist. D.h. – wir können den meisten Admins vertrauen und wir sollten es auch tun. Für einen integren Admin ist es in höchstem Maße ehrverletzend, wenn seine Nutzer an seiner Vertrauenswürdigkeit zweifeln. Es gab auch in meiner über 20jährigen Laufbahn als Systembetreuer zwei oder drei Kunden, die aus diversen Gründen (meistens ging es um den schnöden Mammon) versuchten, mir irgendwelche Dinge zu unterstellen. Darauf habe ich stets und unter völliger Missachtung dabei entstehender finanzieller Nachteile mit sofortigem Abbruch der Geschäftsbeziehung reagiert und werde dies auch weiterhin so handhaben. Vertrauen funktioniert einfach nicht in eine Richtung. Und Vertrauen kann man nicht kaufen – es muss soweit wachsen, dass es auch Krisensituationen überlebt.

    IT-Netze und andere Systeme

    Ich sagte schon, dass IT-Netze zwar komplex, dabei aber so erfrischend logisch sind. Fakten treten sehr viel schneller als solche zutage als im „normalen Leben“. Es bleibt selbst dem „unwissenden Nutzer“ nicht lange verborgen, ob ein Admin gut oder schlecht arbeitet, weil er täglich mit den Auswirkungen der administrativen Tätigkeit konfrontiert wird.
    Dennoch behaupte ich, es lassen sich Parallelen zwischen einem IT-Netz und einer Gesellschaft ziehen. In jedem IT-Netz gibt es Anwender mit gehobenen Berechtigungen. Normalerweise sind das die Chefs der Unternehmen/Institutionen, die dieses Netz nutzen.
    Diese privilegierten Anwender treten in der Gesellschaft als die Auserwählten in Erscheinung – je größer das Unternehmen, je mächtiger die Institution, desto elitärer und abgehobener die Chefs.
    Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass sie die Admins für ihre IT-Netze selbst bestimmen. Es ist auch gut und richtig, dass diese eingesetzten Admins die „Disziplin der normalen Nutzer“ im Netz sicherstellen. Weil die meisten IT-Systemadministratoren nicht nur fähig, sondern auch unbestechlich sind, funktioniert die Disziplinierung im IT-Netz prinzipiell recht gut.
    Gefährlich wird es dann, wenn auch die gesellschaftlichen Eliten in die Lage versetzt werden, sich ihre „Admins“ selbst zu bestimmen und wenn diese „Admins“ nur noch das tun, was die „systemrelevanten Auserwählten“ von ihnen verlangen. Ich lege mich auch mit den Bossen der von mir betreuten Unternehmen an, wenn sie in ihrem Netz Mist bauen. Deshalb frage ich mich aktuell gerade, was wohl Mutti und ihr Team in der Frage der „Disziplinierung“ krimineller Autokonzerne tun werden…
    Und ich frage mich schon seit einigen Jahren, wie viel „Disziplinierung der Bürger“ in unserem Land zulässig ist. Unserem um unsere Sicherheit höchst besorgten Innenadmin würde ich inzwischen attestieren, massiven Demokratieabbau zu betreiben. Deshalb mein Tipp:

    Tretet euren Admins in Ehrfurcht gegenüber.

    Das war Kekatos‘ Hauptidee, als er den Tag des Systemadministrators ins Leben rief.

    Wenn ihr eure Admins aber fürchtet, ihnen nicht mehr vertraut, dann wählt euch unbedingt andere.

  • Wieviele Menschen (ver)trägt die Erde?

    Vor 10.000 Jahren lebten gerade einmal um die 5 Millionen Menschen auf der Erde. Heute sind es etwa 7,5 Mrd. Unsere Zivilisation hat sich demnach prächtig entwickelt. Wir haben diesen Planeten fest im Griff. Oder sollte man doch lieber sagen „im Würgegriff“, mit dem wir uns am Ende vielleicht selbst zur Strecke bringen?

    Bevölkerungsentwicklung

    Ausgehend von den 5 Millionen Steinzeitmenschen wuchs die Weltbevölkerung stetig. Grund dafür waren das Sesshaftwerden und die Verbesserung der Ernährungssituation durch Ackerbau und Viehhaltung. Man schätzt, dass zur Zeitenwende etwa 200 Millionen Menschen die Erde bevölkerten. Es dauerte weitere 1300 Jahre, bis sich diese Zahl verdoppelte. Bedingt durch die mittelalterliche Pest um 1400 gab es sogar Jahre der Schrumpfung. Der eigentliche Knick nach oben wurde durch die industrielle Revolution verursacht. Die Verwendung von Maschinen, die Bereitstellung bis dahin ungeahnter Energiemengen aus fossilen Brennstoffen und große Fortschritte in der Medizin waren die treibenden Kräfte für einen Anstieg der Weltbevölkerung auf ca. 1,5 Mrd. im Jahre 1850. 1960 hatte sich diese Zahl verdoppelt. Nur 40 Jahre später, zur Jahrtausendwende, die nächste Verdopplung auf 6 Mrd.

    Dieser rasante Anstieg wird von Demographen mit Begriffen wie TFR (Total Fertility Rate – Kinder pro Frau) und Sterberate bzw. Lebenserwartung näher beleuchtet. Es gibt hierzu unzählige Publikationen im Internet, die, bezogen auf die Vergangenheit, fast alle ähnliche Aussagen treffen.  Ausführlicher wird die Thematik im Artikel Entwicklung der Weltbevölkerung abgehandelt.  Nicht ganz so einheitlich sind die Extrapolationen der Gelehrten auf die Zukunft. Allein die UNO offeriert uns drei verschiedene Prognosen; mit niedrigem, mittlerem und hohem Bevölkerungswachstum. Dennoch kann man selbst diesen unterschiedlichen Prognosen zwei grundlegende Erkenntnisse entnehmen:

    1. Die Bevölkerung wächst zumindest bis 2050 weiter.
    2. Sie wächst allerdings nicht in dem Maße, wie es uns diverse Apologeten eines baldigen Weltuntergangs ständig weismachen wollen. Längerfristige Voraussagen gehen sogar davon aus, dass die Weltbevölkerung noch in diesem Jahrhundert wieder zu schrumpfen beginnt.

    Überbevölkerung, Ressourcen und Standards

    Die „Überbevölkerung“ wird uns von unseren Politikern und den ihnen deren angeschlossenen Medien gerne als eines der gravierendsten globalen Probleme verkauft. Natürlich ist die Frage legitim, wie viele Menschen die Erde aushalten kann. Viel wichtiger ist jedoch, diese Frage so zu beantworten, dass das menschliche Leben auf der Erde auch langfristig auf einem menschenwürdigen Niveau erhalten bleibt.
    Schnell kommt man dabei zu der Erkenntnis: Nicht nur die Zahl, also ob 10, 12 oder vielleicht doch nur 5 Milliarden der Erde „angemessen“ wären, ist entscheidend, sondern auch das von uns als „menschenwürdig“ definierte Niveau. Schon heute ist klar – es können nicht alle so leben wie der durchschnittliche Europäer oder Nordamerikaner. Die zur Verfügung stehenden Ressourcen geben das einfach nicht her.
    Es ist demnach genauso logisch wie unvermeidlich, das Problem von zwei Seiten anzugehen:

    1. Das Bevölkerungswachstum begrenzen und
    2. Überzogene Standards senken.

    Geschieht nichts dergleichen, werden „natürliche Regulierungsprozesse“ dafür sorgen, das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur auf einem von uns weder kalkulierbaren, noch gewollten Niveau neu einzustellen. Wir haben es immer noch selbst in der Hand, derartige Entwicklungen zu verhindern. Wir müssten uns dazu u.a. vom herrschenden Paradigma des „Wachstum um jeden Preis“ verabschieden. Ein Ausweg wäre es vielleicht, Wachstum ausschließlich als technischen Fortschritt zu definieren, der es uns ermöglicht, Waren so zu produzieren bzw. Dienstleistungen so anzubieten, dass dabei weniger Ressourcen verbraucht werden. So gesehen ist technischer Fortschritt auch die einzige Möglichkeit, die in den Industrieländern bereits etablierten Standards zu erhalten.

    Bevölkerungsentwicklung und Lebensstandard

    Reden wir ruhig noch ein wenig über Standards. Allgemein anerkannte Grundbedürfnisse eines Menschen sind ausreichend Nahrung, Kleidung und ein Dach über dem Kopf. Schon hier gibt es zwischen einem durchschnittlichen Bürger der EU und – sagen wir – einem ebenso durchschnittlichen Nigerianer gravierende Unterschiede; nicht nur darin, was beide für sich selbst als angemessen sehen, sondern auch in der Frage: Wie erhalte ich meine Standards?

    Der Europäer neigt dazu, auf Kinder zu verzichten, weil Kinder schließlich Geld kosten, das ihm für die Befriedigung seiner erweiterten Bedürfnisse (etwa nach einem neuen, schicken Auto) fehlen könnte. Singles und Dinkies (Double Income, no Kids) sind in Europa allerorten auf dem Vormarsch. Die Anzahl Kinder pro Frau lag 2014 in Deutschland bei 1,4. Zur Erhaltung der Population wären 2,15 notwendig. Und der Nigerianer? Für ihn sind viele Nachkommen die einzige Möglichkeit, seine Grundbedürfnisse auch im Alter abzusichern. Kritiken am deutschen Rentensystem sind durchaus angebracht – im Gegensatz zu vielen afrikanischen Staaten haben wir aber eine Altersgrundsicherung. Demzufolge betrug die Anzahl der Kinder pro Frau in Nigeria 5,6 (2014).

    In dem Beitrag zur Entwicklung der Weltbevölkerung heißt es treffend:

    „Länder mit einer hohen Geburtenrate und einer stark wachsenden Bevölkerung befinden sich in einem „Zirkel der Armut“, weil durch die hohe und stark wachsende Bevölkerungszahl ein zu großer Anteil des Volkseinkommens zur Versorgung der am Existenzminimum lebenden Menschen verwendet werden muss. So steht nur ein geringer Anteil für Investitionen in das produktivitäts- und einkommenssteigernde volkswirtschaftliche Produktionskapital – in Maschinen und in die Infrastruktur – zur Verfügung.“

    Ein Teufelskreis – je weniger Kinder sich ein Land leisten kann, desto mehr bekommt es.

    Entwicklungsländern dabei zu helfen, aus diesem „Zirkel der Armut“ auszubrechen, wäre ein guter Ansatz für den Hamburger G20 – Gipfel gewesen. Aber die Diskussion um ehrliche Investitionen in das volkswirtschaftliche Produktionskapital und die Infrastruktur dieser Länder spielte dort wohl eine untergeordnete Rolle, obwohl uns die gesalbten Worte unserer Kanzlerin etwas anderes nahelegen wollen. Die Realität sieht so aus, dass Deutschland es immer noch nicht schafft, seine an sich schon erbärmliche Selbstverpflichtung, 0,7% des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe aufzuwenden, in die Tat umzusetzen. Hinzu kommt, dass bei weitem nicht alles Entwicklungshilfe ist,  auf das unsere Regierung ein entsprechendes Etikett klebt. Selbstredend werden aber alle Maßnahmen der EU im Rahmen fragwürdiger Freihandelsabkommen mit afrikanischen Ländern als „Entwicklungshilfe“ verbucht, obwohl diese Maßnahmen eher zum weiteren Niedergang lokaler Wirtschaftssysteme in Afrika beitragen.

    Lebensstandard und Lebensqualität

    Die Frage nach dem Unterschied sollten sich vor allem die gut situierten Bürger der industrialisierten Welt stellen.

    Zum deutschen Lebensstandard gehört – bleiben wir ruhig wieder beim Standardbeispiel – ein möglichst schickes Auto. Aber muss es tatsächlich immer eins mit über 200 PS und entsprechendem Ressourcenverbrauch sein? Geht es nicht insgesamt manchmal eine Nummer kleiner? Muss man tatsächlich jeden schwachsinnigen Trend mitmachen, nur weil es eben trendy ist? Vielleicht wäre es vielmehr sinnvoller, gezielt dort einzukaufen, wo man anhand bestimmter Siegel zumindest vermuten kann, dass etwas mehr vom gezahlten Betrag bei den Leuten ankommt, auf deren Rücken wir unsere vergleichsweise hohen Standards sicherstellen.

    Zur Lebensqualität gehört dagegen, dass man sich mit seinen Arbeitskollegen und seinen Nachbarn gut versteht, in einer harmonischen Familie lebt und Freundschaften pflegt. Das kostet alles gar nichts. Die Aufwendungen für das Lesen eines Buchs (das kann man sich ja von einem Freund borgen) oder die Teilnahme an kulturellen Ereignissen sind vergleichsweise gering, ebenso der Ressourcenverbrauch. Harmonie und Kultur können aber die Lebensqualität enorm steigern. Das funktioniert natürlich nur, wenn wir Qualität und Konsum (Standard) eben nicht in unserem Denken gleichsetzen.

     

    Dazu: Unser Wahlprogramm zum Thema Familie und Gesellschaft.

    https://redesign.piratenpartei.de/mission/wahl-und-grundsatzprogramme/wahlprogramm-btw2017/familie-und-gesellschaft/

  • UN-Menschenrechte ausgehebelt – Meinungsfreiheitsbekämpfungsgesetz

    UN-Menschenrechte ausgehebelt – Meinungsfreiheitsbekämpfungsgesetz

    Am 23. Juni hat die Bundesregierung das neue Netzwerkdurchsetzungsgesetz verabschiedet. Das Gesetz sorgt nicht nur bei Datenschützern, sondern auch bei Menschenrechtlern der EU und sogar der UN für Aufregung.

    Das Gesetz ist nicht nur ein Verstoß gegen Artikel 5 (Meinungs-, Medien-, Kunst-, Wissenschafts- und Pressefreiheit) unseres Grundgesetzes, sondern verstößt auch gegen die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen (UN) und der europäischen Union (EU). Darüber hinaus wird durch das Gesetz die Gewaltenteilung ausgehebelt. Experten befürchten zusätzlich, dass das Gesetz eine Steilvorlage für weniger demokratische Staaten liefert, die Meinungen noch gezielter zu beschneiden.

    Die Hamburger Justiz hatte mich, als Vertreterin von Digitalcourage e.V. zu einer Expertenrunde geladen. Natürlich interessiert mich das Thema auch als Piratin. Es waren 18 Experten anwesend. Darunter ein Referent des NetzDG, ein Justiziar von Google Deutschland und Europa, Peter Schaar (Guru der Datenschutzwelt) und ein Anwalt mit Mandanten aus dem Dating- und Pornobusiness.

    Die anwesenden Experten für Datenschutz und Informationsfreiheit waren mit dem Justiziar von Google einer Meinung. Nur der Referent des NetzDG versuchte mit fadenscheinigen Argumenten das Gesetz zu verteidigen.

    Für das Gesetz wurden von der Regierung angeblich zehn soziale Netzwerke unter die Lupe genommen. Es ist aber immer nur die Rede von Youtube bzw. Google, Facebook und Twitter. Auch auf Nachfrage bekamen wir keine Auskunft, welche weiteren Netzwerke überprüft wurden. Als der oben genannte Anwalt gezielt nachfragte, welche Plattformen aus dem Dating- und Pornobusiness analysiert wurden, teilte der Referent uns mit, dass unter den zehn analysierten Netzwerken weder eine Datingplattform noch eine Plattform aus der Pornobranche war.

    Warum aber sind die Änderungen so gefährlich? Die Plattformbetreiber sollen rechtswidrige Inhalte in so kurzer Frist löschen, dass eine ordentliche Prüfung auf Rechtswidrigkeit gar nicht möglich ist. Darüber hinaus können sich Plattformen ohne Gewinnabsichten (non profit), gar nicht so viele Juristen leisten. Davon abgesehen sollen in Deutschland eigentlich stets nur Richter über Rechtswidrigkeiten urteilen und nicht Unternehmen der Privatwirtschaft.

    Hier sollen jetzt Google, Facebook, Twitter, Tinder, Parship und andere zu Richtern werden. Da eine ordentliche Prüfung der Inhalte in so kurzer Zeit nicht möglich ist, ist es absehbar, dass die Plattformen zukünftig bei eingehenden Beschwerden die Inhalte umgehend aus dem Netz nehmen, selbst wenn sie legal sind. Es wird ein Kollaps von Artikel 5 des Grundgesetzes (Meinungs-, Medien-, Kunst und Pressefreiheit) befürchtet.

     

  • Brandanschläge auf Deutsche Bahn diskreditieren Gipfelproteste

    Brandanschläge auf Deutsche Bahn diskreditieren Gipfelproteste

    Ein Gastbeitrag von Ingolf Müller

    Auf dem Internetportal Indymedia, das sich selbst als Plattform „unabhängiger sozialer Medien“ sieht, bekennt sich das Aktionsbündnis „Shutdown G20 – Hamburg vom Netz nehmen!“ zu den auf die Infrastruktur der Deutschen Bahn verübten Sabotageakten. Die Macher der Aktion brüsten sich damit, entlang mehrerer Hauptstrecken Kabelkanäle in Brand gesetzt zu haben. Infolgedessen gab es nicht nur massive Störungen im Bahnverkehr, sondern auch erhebliche Ausfälle in den Datennetzen.

    Kein Verstand am Werk

    Beim Lesen des Bekennerschreibens kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass hier Leute mit viel Sendungsbewusstsein, aber nahezu keinem Verstand am Werk waren. Es handelt sich um einen besonderen Typus von Kriminellen. Sie zerstören öffentliche Infrastruktur, nehmen dabei in Kauf, dass Menschen auch körperlich zu Schaden kommen und rechtfertigen sich mit dem „ehrenwerten Motiv“, es dem „Schweinesystem“ mal wieder so richtig gegeben zu haben. Über die rein ökonomischen Auswirkungen, die Frustration vieler Menschen, deren Tagesablauf durch diese von der Kette gelassene Idiotie durcheinandergewirbelt wurde, müssen wir uns hier nicht weiter auslassen.

    Noch ist nicht klar, wer tatsächlich die Urheber dieser Brandanschläge sind. Im Prinzip ist es relativ egal, welchem politischen Spektrum sie zuzuordnen sind. Dieter Hildebrandt, inzwischen verstorbener Kabarettist, sagte zu diesem Thema einmal sehr treffend:

    „Manche Linke stehen so weit links, dass sie rechts schon wieder `reinkommen.“

    Wir PIRATEN lehnen Extremismus jeder Art – sowie jegliche Ausübung von Gewalt – strikt ab.

    Gewalt spielt den Falschen in die Hände

    Fakt ist, dass dieser „Linksterrorismus“ für alle Verfechter eines „sicheren Staates“ einen willkommenen Anlass bietet, Überwachungsmaßnahmen zu verschärfen und Bürgerrechte weiter einzuschränken. Die Proteste, die in Hamburg angekündigt sind, werden durch diesen Anschlag nun noch mehr Mühe haben, ihre inhaltlichen Anliegen zu vermitteln, ihre Legitimität zu begründen und jenseits der eigenen politischen Bubble Verständnis für ihren Protest zu finden. Der Druck, sich von Gewalt zu distanzieren, wird die gesellschaftliche Debatte nun noch stärker prägen als bisher. Diese Aktion spielt denen in die Hände, die Hamburg aktuell hochrüsten. Sie liefert die richtigen Argumente, den Scharfschützen, dem massiven Aufgebot an Polizisten und dem Einsatz der GSG9 weitere Maßnahmen hinzuzufügen.

    Gewalt ist keine Lösung!

    Die Piratenpartei Deutschland wird an den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg teilnehmen. FRIEDLICH. Wir rufen dazu auf, der Gewalt weder zu diesem noch zu irgendeinem anderen Anlass eine Chance zu geben. Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung verurteilen wir scharf! Gewalt ist keine Lösung, sie schafft weitere Probleme.

     

  • Überwachungswahn wird zum größten Sicherheitsrisiko

    Überwachungswahn wird zum größten Sicherheitsrisiko

    Am einfachsten lässt sich der Irrsinn dieser ganzen Sache anhand eines Zitats des sächsischen Innenministers Markus Ulbig verdeutlichen, der wörtlich sagte: „Befugnislücken sind Sicherheitslücken„. In diesem kurzen Satz steckt eigentlich alles ‚drin, was den Sicherheitsfanatikern in unserem Land so vorschwebt und was wir Piraten genau NICHT wollen. Ulbig spricht von „Befugnissen“ für „die Guten“ (also die Behörden), meint damit allerdings die Implementierung von Hintertüren in Software und kryptografischen Algorithmen, die auch von „den Bösen“ genutzt werden können. Damit war schon die NSA sehr erfolgreich – WannaCry lässt grüßen.

    Diese Hintertüren für die Behörden, das steht ohne Zweifel fest, sind wahrhaftige Sicherheitslücken. Das ist keineswegs eine neue Erkenntnis, leider aber eine, die von unseren Innenministern seit Jahren konsequent ignoriert wird. Um das auszuführen, ein kurzer Abstecher in die technische Seite des Ganzen: wie sieht eigentlich so eine garantierte staatliche Zugriffsmöglichkeit aus?

    Im ersten Schritt braucht man entweder eine Art Zweitschlüssel (zumeist ein Universalschlüssel) für die Verschlüsselung oder man schwächt die Verschlüsselung gezielt so, dass sie grundsätzlich leicht zu knacken ist, wenn man das Verschlüsselungsverfahren kennt. Das Schwächen der Verschlüsselung ist am besten mit einem Tresor zu vergleichen, der eine Ecke hat, an der man ihn mit einem gut gezielten Hammerschlag aufbrechen kann, während er ansonsten durchaus auch mehreren Stangen Dynamit standhalten würde.
    Und genau wie bei diesem Tresor ist es vollkommen unmöglich, eine solche Schwachstelle auf Dauer geheim zu halten.

    Der Universalschlüssel erklärt sich fast von selbst – wichtig ist hierbei vor allem, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Schlüssel nicht mehr nur gegen jeden funktioniert, sondern auch für jeden verfügbar ist. Damit ist die Verschlüsselung dann so nützlich wie eine Haustüre, deren Schlüssel in der ganzen Stadt verteilt sind. Alternativ kann man eine Möglichkeit, die Daten durch eine „geheime Hintertür“ in der Software direkt aus dem Client abzugreifen, implementieren.

    Eine gezielt implementierte Hintertür ist jedoch in mehrfacher Hinsicht noch schlimmer, denn:
    Wenn das Gesetz ein Schlupfloch für Behörden vorschreibt, weiss ein Verbrecher wonach er suchen muss. Da es sich hierbei nicht um einen zufälligen Makel irgendwo im Code handelt, den selbst die Kenner der Materie nur mit Mühen aufspüren können, sondern um eine komfortable, für Menschen gemachte Schnittstelle, hält sich der Aufwand für das Beschaffen einer Eintrittskarte für diese Schnittstelle selbst für weniger ambitionierte Cracker in Grenzen.

    Die Methode ist also mit absoluter Sicherheit schon kurz nach ihrem Einbau verfügbar für jeden, der es wirklich darauf anlegt. Sollte der von der Versammlung unserer, offensichtlich nicht durch Fachwissen verunsicherten Innenminister geplante Wahnsinn wirklich umgesetzt werden, wäre in kurzer Zeit die nächste Welle von durch Botnetze übernommenen Geräten zu erwarten.

    Analog zur Bezeichnung IoT-Botnet für vernetzte Thermostate, die auf einmal bösartig werden, würde ich hier von einem IoF-Botnet sprechen: Internet of Fools. Denn so dumm, im Namen der Sicherheit Kriminellen effektiv Zugriff auf die Geräte jedes Smartphone-Besitzers im Land zu geben, muss man erst einmal sein. Hier zeigt sich einmal mehr, warum Piraten im Bundestag dringend benötigt werden und warum die derzeit an Bundes- und Landesregierungen beteiligten Parteien eigentlich unwählbar sind.

     

  • Wir wollen kein Dystopia

    Wir wollen kein Dystopia

    Ganz ehrlich, wir haben etliche Schlachten um die Privatsphäre gründlich verloren. Ob wir den Krieg, der um die Kontrolle über unsere Daten, unsere Privatsphäre und letztlich unsere Freiheit geführt wird, noch gewinnen können, müssen wir sehen. Aber die Alternative ist ein Dystopia. Eine Welt mit detaillierterer Überwachung und Kontrolle als Orwell sie sich je vorstellen konnte. Also gibt es keine Alternative, als weiter zu kämpfen, auch wenn die Gegner immer dreister werden.

    Das größte Problem: Bequemlichkeit

    Eines der größten Probleme ist die Bequemlichkeit, die zur Gewohnheit führt. „Bitte geben Sie Ihre Adresse und Telefonnummer an, damit wir Sie beim nächsten Besuch unserer Website automatisch anmelden können“, klingt doch nach einem guten Deal. „Zur Verbesserung der Navigationsergebnisse übermitteln wir Ihre Daten an einen zentralen Server“, also so was wie solidarische Hilfe, kommt ja allen zugute. „Die Spracheingabe überträgt die Audiodaten auf unseren Server, wo sie mit den neuesten Techniken die Spracherkennung macht“, auch klasse, oder? Scheibchenweise haben wir bereits Daten und Privatsphäre für Bequemlichkeit aufgegeben. So ist die Schmerzgrenze für die Vorratsdatenspeicherung nicht mehr so hoch: Ist ja nur zur Terrorbekämpfung! Also bis zur Ausweitung auf Einbrüche. Für die subversiven Äußerungen kommt dann nächstes Jahr, zusammen mit der Pflicht zur Herausgabe von Spracherkennungsdaten, das NetzwerkDurchsetzungsGesetz. Es geht ja nur gegen Hatespeech. Das geschieht diesen miesen Arschlöchern, die im Netz rumpöbeln, recht! Was? Den Justizminister als inkompetent zu bezeichnen, steht mit auf der Liste?

    Auch die PKW-Maut will ja die Kennzeichenerfassung ganz ausschließlich zu Abrechnungszwecken nutzen. Strafverfolgung für schwere Kapitalverbrechen ist dann natürlich eine Ausnahme, die jeder unbescholtene Bürger selbstverständlich unterstützt. Ordnungswidrigkeiten sind die nächste logische Konsequenz. Wenn wir schon dabei sind, können wir doch gleich mal erfassen, wer wieviel wo fährt. So ließe sich doch Potenzial z.B. im Versicherungsbereich nutzen. Da fliegen Regeln zur Speicherung von Fluggastdaten und freie Übermittlung der Daten des elektronischen Personalausweises zwischen allen Polizei- und Geheimdiensten ohne jeglichen Richtervorbehalt fast schon unter dem Radar. Wir sind es ja mittlerweile gewohnt, dass alle möglichen Geheimdienste unsere E-Mails lesen, Kameras in allen Geräten anzapfen, Websites unsere Aktivitäten im Netz verfolgen und wirklich jedes einzelne Bit, das wir irgendwo im Netz oder auf unseren mobilen Geräten haben, von mehreren interessierten Organisationen ausgewertet und verkauft wird.

    Wir sind bereits gläserne Bürger

    Wir sind bereits zu gläsernen Bürgern geworden, teilweise, weil wir leichtfertig unsere Daten mehr oder meist weniger seriösen Firmen überlassen, Geheimdienste und Verbrecher uns ausspionieren und unser Staat unseren rechtlichen Schutz dagegen immer weiter aushöhlt. Wir erinnern uns, Frau Merkel bezeichnete Daten als das neue Öl. Vergessen hat sie dabei, dass es auch bei Öl ein Eigentumsrecht gibt. Meine Daten gehören mir. Wer sie haben möchte, kann ja mal ein Angebot machen, aber kein Kleingeld. Unter sechsstellig pro Barrel wird hier keine Bohrgenehmigung erteilt und die Bohrtiefe ist auch vertraglich begrenzt, um mal bei dieser Metapher zu bleiben. Nicht so passend ist diese Metapher, weil es hier nicht um einen Bodenschatz geht, sondern um unser Privatleben und unsere Freiheit. So, wie die Ausbeutung von Öl uns Umweltverschmutzung und Klimaerwärmung einbrockt, so erodiert fehlende Privatsphäre und Datensouveränität unsere Entscheidungsfreiheit, freie Meinungsäußerung und die Demokratie. Wir und unser Handeln werden gläsern und nachverfolgbar. Wer sich bewusst ist, ständig beobachtet zu werden, verändert sein Verhalten. Das ist der Punkt, an dem Freiheit aufhört zu existieren.

    Die Entwicklung muss zurückgedreht werden

    Berichte über individuelle Wählerbeeinflussung in den USA, basierend auf Big Data, waren übertrieben. Aber so sehr weit weg von der Realität sind sie dann nun auch wieder nicht. Die Analyse von den vielen Spuren, die wir im Netz hinterlassen, eignet sich für personenspezifische Werbung. Diese Werbung kann natürlich auch für politische Richtungen sein. Gezieltes Beeinflussen z.B. von Suchergebnissen und Nachrichtenmeldungen, die eine Person erhält, erlaubt da schon eine gewisse Beeinflussung. Wir sind in vielen Aspekten bereits an diesem Punkt angekommen und es ist höchste Zeit, diese Entwicklung nicht nur zu stoppen, sondern zurückzudrehen. Wenn eine öffentliche Stelle ohne mein Wissen oder ohne meine Einwilligung meine Daten haben will, dann sollte sie dazu einen Richterbeschluss benötigen. Nicht, weil ich etwas Unrechtes verbergen will, sondern weil Dinge, die ich nicht freiwillig preisgebe, einfach niemanden etwas angehen. Und wenn ein ausländischer Geheimdienst meine Daten absaugt, dann ist es die Aufgabe unserer Regierung, dem einen Riegel vorzuschieben.

    Die meisten Gesetze werden kassiert

    Um es ganz klar zu sagen: Unsere Regierung und Verwaltung sind nicht die ungekrönten Herrscher, sie sind unser aller Angestellte und deren Aufgabe ist es, Schaden vom Land und allen Bürgern abzuwehren. Der fortschreitende Verlust der Freiheit und die Erosion der Demokratie gehören zu den schlimmsten Schäden, die man sich vorstellen kann. Angestellte, die nicht ihrer Aufgabe nachkommen, schmeißt man raus. Genau diese Konsequenz brauchen wir endlich. Was die Sicherheitsesoteriker bisher schon angerichtet haben, reicht! Oder sind es verkappte Protagonisten einer Diktatur, die mit diesen Mitteln eine Bevölkerung maximal kontrollieren könnte? Viele der vorangegangenen Gesetze sind bereits vor dem Verfassungsgericht oder dem Europäischen Gerichtshof gescheitert. Dafür bräuchten wir eigentlich eine Three-Strikes-Regel: Wer drei Gesetze verantwortet, die sich als verfassungsfeindlich heraus stellen, ist raus – und das auf Lebenszeit.

    In diesem Sinne: Wir PIRATEN sind weder weg noch tot, wir sind jetzt erst recht sauer, weil unsere Themen aktueller denn je sind und die Feinde der Freiheit immer dreister werden.

  • Welttag gegen Homophobie: PIRATEN fordern Taten statt Worte

    Welttag gegen Homophobie: PIRATEN fordern Taten statt Worte

    Wir schreiben den 17. Mai, den Internationalen Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie. Am 17.Mai 1990, also vor genau 27 Jahren, wurde Homosexualität offiziell durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Diagnoseschlüssel für Krankheiten gestrichen.

    „Unglaublich, aber wahr: Transsexualität wird dort immer noch unter den psychischen Störungen geführt, eine Änderung ist erst für 2018 angedacht“,

    beklagt Robert Lutz, Spitzenkandidat der Piratenpartei Sachsen für die Bundestagswahl.

    In Deutschland werden am 17. Mai noch andere Parallelen gezogen, nämlich zum erst 1994 abgeschafften Paragraph 175, welcher sexuelle Handlungen zwischen männlichen Personen unter Strafe stellte. Erst im März diesen Jahres wurde eine Rehabilitierung der noch lebenden Verurteilten beschlossen. „Schön, dass das endlich mal passiert ist, aber schade um die Halbherzigkeit, mit der dies geschieht. Mit 3000 Euro Einmalzahlung und zusätzlich 1500 Euro für jedes erlittene Jahr Haft wird versucht, noch lebende Verurteilte dieses Paragraphen 175 zu entschädigen. Das ist doch reine Augenwischerei!“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Piratenpartei Sachsen Lutz. Die Piratenpartei Deutschland bezweifelt, dass 3000 Euro in einem Verhältnis zu den Qualen und Ungerechtigkeiten dieser Verurteilungen stehen und Opfer damit wirklich rehabilitiert sind.

    „Wir PIRATEN halten die Einführung der Ehe für Alle schon lange für überfällig. Warum verheiratete Homosexuelle weniger wert sein sollen als heterosexuelle Ehepartner, erschließt sich uns nicht. Wir wünschen uns, dass die Abstimmung dazu im Deutschen Bundestag endlich freigegeben wird und die Abgeordneten darüber mit freiem Gewissen und nicht unter Koalitionszwängen abstimmen können“, unterstreicht Lutz die Forderung der PIRATEN.

    Mit sehr besorgtem Blick schaut die Partei zudem auf die Ereignisse in Tschetschenien, wo viele Homosexuelle derzeit im Gefängnis sitzen und deren Hinrichtung angedroht wurde. Lutz: „Wir fordern hier nicht nur von der deutschen, sondern von allen Regierungen in Europa, hinzusehen und diesen Massenmord nicht zuzulassen.“

  • Nackt im Netz durch Surfprotokollierung?

    „Ich freue mich, dass der Bundesgerichtshof die Erforderlichkeit der verdachtslosen und flächendeckenden Protokollierung unseres Surfverhaltens hinterfragt und dass er die Betreiberwünsche gegen die Grundrechte der Internetnutzer auf Informations- und Meinungsfreiheit abwägen will“, erklärt der Kläger Dr. Patrick Breyer, Datenschutzexperte der Piratenpartei Deutschland.

    „Der Bundesgerichtshof betont zurecht, dass diverse Internetportale (z.B. Bundesdatenschutzbeauftragter, Bundesjustizministerium) auch ohne flächendeckende Aufzeichnung des Nutzerverhaltens sicher betrieben werden.

    Warum die bisherigen Erkenntnisse für eine endgültige Entscheidung nicht ausgereicht haben sollen, verstehe ich nicht. Das gerichtliche Sachverständigengutachten hat bereits ergeben, dass – unabhängig vom ‚Angriffsdruck‘ – ‘für die Absicherung von IT-Systemen eine Vielzahl von anderen, wesentlich effektiveren Mitteln und Methoden’ existieren. Im Zeitalter internationaler Netzwerke auf IT-Sicherheit durch Abschreckung (‚Generalprävention‘) oder Strafverfolgung zu setzen, ist illusorisch und entbehrt jeder gesetzlichen Grundlage. Ein effektiver Schutz vor Angriffen ist alleine durch technische Absicherung der Systeme möglich.

    Ob das Datenschutzrecht Anbietern eine massenhafte Aufzeichnung unseres Internet-Nutzungsverhaltens gestattet und, wenn ja, wie lange, lässt das heutige Urteil offen und unentschieden. Ich hoffe deshalb, dass ich im weiteren Verfahren ein Verbot der Surfprotokollierung erstreiten kann. Das Bundesverfassungsgericht hat schon in seinem Urteil zur Vorratsdatenspeicherung betont, dass die Internetnutzung nicht inhaltlich festgehalten und damit rekonstruierbar bleiben darf.

    Um Internetnutzer wirksam zu schützen und die Rechtsunsicherheit für Anbieter zu beenden, muss aber die EU-Kommission tätig werden und ein klares Verbot der massenhaften Surfprotokollierung auf den Weg bringen. Es muss aufhören, dass Behörden und Konzerne unser Internet-Nutzungsverhalten verfolgen und aufzeichnen – das grenzt an Stalking. Was ich lese, schreibe und wonach ich suche, spiegelt meine privatesten und intimsten Interessen, Überzeugungen, Vorlieben und Schwächen wieder und geht niemanden etwas an. Unser Leben wird immer digitaler, aber es darf damit nicht immer gläserner werden!“

    Antworten auf häufige Fragen (FAQ)

    Frage: IP-Adressen sind doch nicht besonders sensibel?

    Antwort: Die Betreiber von Internetportalen speichern nicht nur die IP-Adresse, sondern auch die URL der aufgerufenen Seiten. Anhand unserer IP-Adresse lässt sich jeder Klick, jede Sucheingabe und jeder geschriebene Kommentar auf unseren Anschluss zurückführen. Ich verlange die Löschung der IP-Adresse, um die Surfprotokolle zu anonymisieren.

    Frage: IP-Adressen sind für Betreiber von Internetportalen doch nicht zu identifizieren?

    Antwort: IP-Adressen lassen sich über „Bestandsdatenauskünfte“ der Zugangsanbieter leicht identifizieren. § 113 des Telekommunikationsgesetzes erlaubt Ermittlungsbehörden und Geheimdiensten die nahezu hürdenlose Identifizierung von Internetnutzern ohne richterlichen Beschluss. Der eco-Verband geht von jährlich 3,6 Mio. IP-Identifizierungen aus. Alleine die Deutsche Telekom identifizierte 2016 über 400.000 IP-Adressen zur Abmahnung von Urheberrechtsverletzungen.

    Frage: Sind Befürchtungen eines Missbrauchs dieser Daten realistisch?

    Antwort: Recherchen des Magazins „Panorama“ ergaben, dass Werbenetzwerke mit Surfprotokollen handeln und daraus z.B. sexuelle Vorlieben eines hohen Richters oder die Recherchen von Bundestagsabgeordneten ablesbar waren. Vor einigen Jahren hat das Bundeskriminalamt gegen Personen ermittelt, die sich für eine kriminelle Vereinigung interessierten, darunter viele Journalisten.

     

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