Kategorie: Inneres und Sicherheit

  • PIRATEN-Verfassungsbeschwerde gegen wahlloses Scanning

    PIRATEN-Verfassungsbeschwerde gegen wahlloses Scanning

    Die PIRATEN ziehen gegen das Pkw-Maut-Gesetz vor das Bundesverfassungsgericht: Am heutigen Tag des Grundgesetzes hat der Datenschutzexperte der Piratenpartei Patrick Breyer Verfassungsbeschwerde gegen das zur Mautkontrolle geplante Massenscanning von Kfz-Kennzeichen auf Autobahnen eingereicht.

    „So unsinnig eine Pkw-Maut insgesamt ist: Sie durch eine elektronische Massenerfassung hunderttausender von Kfz-Kennzeichen täglich kontrollieren zu wollen, ist schlicht verfassungswidrig. Kfz-Massenscanner zerstören unser Recht auf datenfreie Fahrt. Sie sind hoch fehleranfällig und führen in 99 von 100 Fällen zu Fehlalarm. Die Errichtung einer solchen Überwachungsinfrastruktur leistet einer zukünftigen Zweckentfremdung der Daten bis hin zur Erstellung von Bewegungsprofilen Vorschub.

    Auch wenn die Pkw-Maut vorübergehend auf Eis gelegt worden ist: Umso besser, wenn das Massenscanning von ‚eVignetten‘ noch vor seiner Einführung verhindert werden kann. Für die Piratenpartei ist eine verdachtslose Massenerfassung unbescholtener Autofahrer inakzeptabel! Mit dem ständigen Gefühl des Überwachtwerdens wollen wir nicht leben. Leider respektieren die politischen Machthaber die Grundrechte unbescholtener Bürger immer weniger. Die Politik behandelt unser historisches Erbe an Freiheitsrechten als verhandelbare Verfügungsmasse. Wir PIRATEN aber wissen: Demokratie braucht Überwachungsfreiheit.“

    Verfassungsbeschwerdeschrift (PDF)

  • PIRATEN sind dabei: FsA – Freiheit statt Angst – Demo in München – Stoppt den Überwachungswahn!

    PIRATEN sind dabei: FsA – Freiheit statt Angst – Demo in München – Stoppt den Überwachungswahn!

    Am 26. Mai 2016 (Fronleichnam) findet unter dem Motto „Freiheit statt Angst – Stoppt den Überwachungswahn“ in München wieder eine Demonstration gegen Vorratsdatenspeicherung, Kontrolltechnologien, Überwachung und Generalverdacht, sowie für eine freie demokratische und offene Gesellschaft statt. Treff- und Startpunkt ist der Karlsplatz (Stachus) um 13:30 Uhr.

    Die Demonstration wird organisiert vom Bündnis `Freiheit statt Angst München` mit den Bündnispartnern Arbeitskreis Vorrat (AK) München, der Piratenpartei, Die Linke, Bündnis 90/DieGrünen, SPD, Jusos Oberbayern, Freie Demokraten, LOAD e.V., Humanistische Union, Digitalcourage und Mehr Demokratie.

    Nicole BritzNicole Britz, Vorsitzende der Piratenpartei Bayern: »Die Terroranschläge der jüngsten Vergangenheit zeigen, dass sie auch durch die heutige, allgegenwärtige Überwachung nicht verhindert werden konnten. Hinweisen im Vorfeld wurde dagegen nicht nachgegangen. Wir sehen hier, dass auch die Massenüberwachung, die jeden von uns ins Visier nimmt, nicht in der Lage ist, solche Anschläge zu verhindern. Die totale Überwachung schränkt unsere Freiheit ein, ohne uns dafür einen Zugewinn an Sicherheit zu verschaffen.«

    Hintergrundinformation:

    Die Route wird wie folgt verlaufen: Gestartet wird am Karlsplatz mit der Auftaktkundgebung um 13:30 Uhr, dann geht es los über den Lenbachplatz, weiter zum Maximiliansplatz, über die Briennerstraße hin zum Odeonsplatz (Platz vor der Feldherrnhalle) mit der Schlusskundgebung. Die Demonstration wird dann vorraussichtlich um 17.00 Uhr beendet sein.

    Die Redner bei der Veranstaltung werden unter anderem Nicole Gohlke (Die Linke), Nicole Britz (Piratenpartei), ValiDOM (AKVorrat), Katharina Schulze (Bündnis90/Die Grünen), Jimmy Schulz (FDP), Florian Ritter (SPD), Klaus Hahnzog (Humanistische Union) und Björn Birkenhauer (Julis München) sein.

    Mehr Informationen, auch zu vorherigen Demonstrationen, finden Sie unter: FsA München

    FSA-Plakat Mai 2016

  • PIRATEN-Klage: EU-Generalanwalt gegen deutsches Verbot der Protokollierung des Surfverhaltens im Internet

    Der Bundestag darf Anbietern von Internetportalen nicht verbieten, flächendeckend auf Vorrat zu speichern, wer was im Internet liest, schreibt oder sucht. Die Entscheidung darüber obliege nach EU-Recht vielmehr den Gerichten, die eine Abwägung vorzunehmen hätten. Diese Meinung verkündete der Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof (EuGH) heute bezüglich der Klage des Piratenpolitikers und Datenschützers Patrick Breyer gegen die Bundesregierung (Az. C-582/14).

    Patrick Breyer, Themenbeauftragter der Piratenpartei Deutschland für Datenschutz: „Das ist ein Angriff auf das deutsche Datenschutzrecht und die digitalen Grundrechte. Die EU droht das klare deutsche Verbot einer Protokollierung unseres Surfverhaltens im Telemediengesetz auszuhebeln und die Verantwortung auf Einzelfallentscheidungen der Gerichte abzuschieben. Ich fordere die EU-Kommission auf, unverzüglich ein eindeutiges Verbot der anlasslosen Protokollierung unseres Surfverhaltens vorzulegen! Europa muss der NSA-Methode einer Totalerfassung des digitalen Lebens eine klare Absage erteilen und den Grundrechten auf Informations- und Meinungsfreiheit im Internet zur Geltung verhelfen.

    Ich hoffe, der Gerichtshof wird anders entscheiden als der Generalanwalt und die unterschiedslose Erfassung des Inhalts unserer Internetnutzung als von vornherein völlig unverhältnismäßiges Mittel verwerfen. Sollte sich der Gerichtshof aber dem Generalanwalt anschließen und die Abwägung den deutschen Gerichten überlassen, werde ich gegen die Surfprotokollierung notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht ziehen. Karlsruhe hat schon in seinem Urteil zur Vorratsdatenspeicherung betont, dass die Internetnutzung nicht inhaltlich festgehalten und damit rekonstruierbar bleiben darf. Ein Gerichtsgutachten belegt, dass ein sicherer Betrieb von Internetportalen (Webservern) bei entsprechender Systemgestaltung auch ohne Vorratsspeicherung von IP-Adressen möglich ist.

    Nur wenn Regierung und Internetkonzernen die Aufzeichnung unseres Surfverhaltens verboten wird, sind wir vor Ausspähung unseres Privatlebens, fälschlichen Abmahnungen und falschem Verdacht der Strafverfolger sicher. IP-Adressen haben sich als extrem fehleranfälliges und unzuverlässiges Mittel zur Personenidentifizierung erwiesen. Und solange wir uns schon wegen des Lesens von Internetseiten verdächtig machen können, gibt es keine echte Informations- und Meinungsfreiheit im Internet. Niemand hat das Recht, alles, was wir im Netz sagen, und alles, was wir tun, aufzuzeichnen. Als Generation Internet haben wir das Recht, uns im Netz ebenso unbeobachtet und unbefangen informieren zu können, wie es unsere Eltern aus Zeitung, Radio oder Büchern konnten.“

    Laut Generalanwalt unterliegen die beim Surfen übermittelten Kennungen der Internetnutzer (IP-Adressen) dem Datenschutz, solange der Internetprovider sie zuordnen kann. Nach dem umstrittenen Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung soll dies künftig zehn Wochen lang der Fall sein. Die Bundesregierung hatte den Personenbezug von IP-Adressen bestritten.

    Mit dem Urteil kann im Sommer gerechnet werden.

     

    Weiterlesen:
                           
    Ausführliche Informationen und die Gerichtsdokumente im Wortlaut
    Untersuchung: Ministerien erfassen illegal unser Surfverhalten
    Aufsatz über den „Personenbezug von IP-Adressen“
    http://www.daten-speicherung.de/wp-content/uploads/Breyer-Personenbezug-IP-Adressen.pdf         
    Web Tracking Report 2014 des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie
  • Die gescheiterte Anti-Terror-Strategie

    – Warum wir ins Fettnäpfchen treten

    Die grundsätzliche Fehlannahme ist schlicht, dass der Islamistische Terrorismus westliche Staaten angreift. Das Ziel der Anschläge sind nicht westliche Staaten, sondern unsere freiheitliche Lebensweise.

    Vor diesem Hintergrund ist es leicht verständlich, dass wir, die westlichen Staaten, mit dem sog. „Sicherheitsreflex“, also dem Umbau vom Rechtsstaat zum Überwachungsstaat, genau die Ziele eben jener Terroristen verwirklichen. Indem wir unsere freiheitliche Lebensweise opfern.

    In einem solchen Szenario bildet sich genau das Klima der Angst vorm Staat, welches eben terroristischen Vereinigungen Mitgliederzulauf, Spenden und die psychologische Infrastruktur zum Ausbau der Organisationen beschert. Kurz, den Nährboden, den sie benötigen.

    Status Quo: Aktuell verwirklicht die Politik genau die Ziele der Terrororganisationen.

    Der Mechanismus bei der Arbeit…

    Wo sehen wir Beispiele dieses Funktionsprinzips? Genau genommen überall. Nach 9/11 wurde in den Irak einmarschiert; hier bildete sich sehr schnell der entsprechende Nährboden; aktuell wäre das Land beinahe vom Islamischen Staat überrannt worden. Dieser war inzwischen für zahlreiche Anschläge verantwortlich.
    Die Sicherheitsbehörden haben unter anderem mit massiver Internetüberwachung auf die Terrorgefahr reagiert und damit große Angst unter computeraffinen Bürgern ausgelöst. Als nächstes entstehen nun plötzlich gar nicht mehr so plump wirkende Medien- und vor allem Internetkampagnen der Gotteskrieger. So dreht sich die Spirale immer weiter.

    Auswege aus der Krise

    Der oben genannte Nährboden für Terrorismus entsteht natürlich am ehesten dort, wo sowieso schon Unzufriedenheit mit den Lebensumständen herrscht. So rekrutiert es sich für Terrororganisationen am leichtesten in den sozialen Brennpunkten Frankreichs oder in den USA bei gesellschaftlichen Außenseitern. Aus dem „Lone Weirdo“ wird der „Lone Wolf“.
    Daher lässt sich leicht herleiten, dass eine bloße Vermeidung des Sicherheitsreflexes nicht hinreichend ist. Es müssen außerdem die Versäumnisse der Politik in den einzelnen Ländern, also die wirklich „schmerzhaften“ Themen angegangen werden, wie zum Beispiel die Entschärfung der sozialen Brennpunkte Frankreichs.

    Dies erfordert ein grundlegendes Umdenken in der Politik. Die Terroristen treffen uns an unseren schwächsten Punkten, und den zugehörigen politischen Diskurs zu führen, scheint weh zu tun. Die Alternative ist jedoch deutlich schlechter. In einem solchen Sinne könnten die westlichen Staaten die Anschläge doch noch als Mittel zur Genesung nutzen. Allerdings müssen Politiker hierzu unpopuläre Themen bearbeiten und Versäumnisse eingestehen. Um dieser prekären Lage zu entgehen, wird dennoch weiter auf den Sicherheitsreflex gesetzt.
    Diese Vorgehensweise ist zwar vollkommen kontraproduktiv, jedoch angenehmer für die jeweiligen Machthaber. Denn sonst müssen sie Fehler eingestehen. Da nur so ein Entzug dieses Nährbodens machbar ist, kann die Sicherheitsgesetzgebung, wie Frankreich sie zum Beispiel verabschiedet hat, nur als Blendwerk zählen.

    Ein Klima der Angst vor dem Staat speziell unter Muslimen zu schüren, schlägt selbstverständlich dem Fass den Boden aus.

     

     

  • Interview mit Ute Elisabeth Gabelmann aka Piratenlily

    Wir haben sie zu ihrer Aussage „Jeder soll seine Party selbst bezahlen“ befragt und zu ihrer Arbeit in der Stadt Leipzig.

     

    Du bist Stadträtin in Leipzig. Welche Eindrücke hast du in der Kommunalpolitik gesammelt?

    Ich bin jetzt seit etwas über einem Jahr im Amt und mir sind von Beginn an zwei Punkte sehr stark aufgefallen:
    Zum einen dachte ich bisher immer, daß die Klischees, die man über andere Parteien im Kopf hat, eben nur das sind – nichts als Klischees. Allerdings hat sich herausgestellt, daß dem nicht so ist: Die Linken sind typische Linke, die Grünen sind typische Grüne usw. und das war für mich schon überraschend. Ich hatte eigentlich gedacht, daß das etwas ausdifferenzierter wäre, als ich es mir vorgestellt habe.

    Der zweite starke Eindruck ist, daß tatsächlich oft nicht danach geschaut wird, ob ein Vorschlag, eine Idee, ein Antrag sinnvoll sind, sondern ob die richtige Person diesen Antrag verfaßt hat. Das betrifft noch nicht mal Vorschläge, die aus dem undemokratischen Lager kommen, sondern vielmehr die Anträge der anderen Parteien des Parteienspektrums. Es kommt nicht selten vor, daß eine Fraktion den Antrag eines Fraktionsmitgliedes nicht einreicht, weil dieses Fraktionsmitglied eben zum falschen Flügel der Partei gehört.
    Mittlerweile hat sich unter den Stadträten herumgesprochen, daß meine Anträge per Fraktionsvertrag automatisch ins Verfahren kommen, so daß ich schon mehrfach gebeten wurde, Proxy zu spielen.

    Zur Zeit bist du in der Presse oft erwähnt worden, weil du ein Bürgerbegehren initiiert hast. Worum geht es dabei?

    Das ist eigentlich eine „alte“ Sache, die jetzt noch mal hochspült. 2014 hat Leipzig noch mit dem alten Stadtrat beschlossen, den 100. Katholikentag hier in Leipzig mit einer Million Euro auszustatten. Ich habe dann ein Bürgerbegehren initiiert, welches unter dem Label „(K)Eine Million“ unter anderem Piraten, Linke, Die Partei und diverse Vereine und Verbände sowie Einzelunterstützer zusammenführte, die alle zusammen über 18.000 Unterschriften sammeln konnten. Leider haben wir damit relativ knapp die benötigte Marke von etwa 22.500 verfehlt, weswegen der Stadtratsbeschluß in Kraft trat.

    In diesem Sommer nun findet der Katholikentag statt und wir wollen diesen kritisch begleiten. Dazu wird es in den kommenden Wochen nähere Informationen geben. Ich freu mich daher über Piraten und Piratenfreunde, die mich in diesen fünf Tagen im Mai (25. bis 29.05.) tatkräftig unterstützen können und wollen.

    Bezieht sich dein Protest/Widerspruch auf Trennung von Staat und Kirche, oder hat es was mit der Wirtschaftlichkeit in Leipzig zu tun?

    Unsere Kritik bezieht sich auf eine Reihe von Punkten:
    Zuerst einmal natürlich auf den laizistischen Aspekt der Trennung von Staat und Kirche. Wir Piraten haben uns da ganz klar positioniert und genau diese Haltung vertrete ich auch innerhalb von „(K)Eine Million“.
    Aber selbst wenn man nicht so ein großer Verfechter dieser Trennung ist, gibt es weitere Kritikpunkte: Die Wirtschaftlichkeit ist da tatsächlich ein großes Thema. Viele der Versprechungen, die seitens des Zentralkomitees der Katholiken gemacht wurden, werden in meinen Augen nicht eingehalten. Es entstehen weder zusätzliche Arbeitsplätze, noch haben Hotelbetreiber den erhofften Umsatz. Im Gegenteil: Der Katholikentag sucht massiv freiwillige Helfer, also kostenloses Personal, und Gratisunterkünfte bei Leipziger Bürgern.

    Wichtig fand ich aber auch von Anfang an, daß die Finanzierung des Katholikentages, die eben nicht eingeflochten ist in unseren gesamten kommunalpolitischen Finanzhaushalt, eine Sache gewesen wäre, die man im Zuge der Bürgerbeteiligung sehr schön hätte lösen können. Daher fand ich den Ansatz eines Bürgerbegehrens auch genau den richtigen Weg.

    Es ist ja Standard geworden, daß Länder, Regionen und Städte für große Events/Veranstaltungen ihre Geldbeutel öffnen. Wie findest du diese Entwicklung?

    Das kommt hauptsächlich darauf an, ob es sich bei den großen Veranstaltungen um solche handelt, die sich auch selber tragen könnten bzw. finanzkräftige Sponsoren und Unterstützer einwerben könnten, oder um solche, die einfach noch eine gewisse Anschubfinanzierung benötigen, um gute Arbeit zu leisten.
    Vorrangig würde ich lieber Veranstaltungen fördern wollen, die sozialen oder bildenden Charakter haben, als reine Show-Events wie große Konzerte oder Sportveranstaltungen.

    Bezogen auf den Katholikentag war aber immer die Ansage, daß gegen eine Förderung von Veranstaltungen an sich nichts zu sagen ist, sondern hier die besondere Ausrichtung des Katholikentages als missionarische Veranstaltung eine Rolle spielt.

    Zwei weitere Faktoren kommen hinzu: Das Budget des Katholikentages ist mit 10 Millionen Euro recht üppig geplant. Davon kommen 4,5 Millionen aus öffentlicher Hand. Wenn man nun einfach die Veranstaltung eine Nummer kleiner geplant hätte, wäre man sicherlich auch mit den 5,5 Millionen ausgekommen, die bereits von anderer Stelle eingeworben werden konnten. Zudem wäre es sicherlich auch der Institution Katholische Kirche möglich gewesen, den für sie ja sehr wünschenswerten Katholikentag weiter zu fördern. Daß diese sich hier so aus der Verantwortung zieht, ist für mich unverständlich.

    Wäre es für die Stadt Leipzig im Zuge der Bürgerbeteiligung nicht sinnvoller, die Bürgerinnen und Bürger in diese Diskussion einzubeziehen?

    Ja, total! Mir ist auch bis heute nicht klar, warum solche Steilvorlagen ungenutzt bleiben. Ich weiß aber aus Hintergrundgesprächen, daß der Katholikentag bereits bevor der Stadtrat überhaupt davon erfuhr, eine Zusage bekommen hat, daß er mit der Finanzierung rechnen kann. Das Land Sachsen hat dann nochmal drei Millionen Euro obendrauf gelegt, unter der Bedingung, daß auch Leipzig seine Million zahlt. Mit solchen gegenseitig voneinander abhängenden Versprechen tut man sich als Verwaltung natürlich schwer, dann so etwas wie eine Bürgerumfrage zu initiieren.

    Das wirklich Bestürzende war, daß diese Entscheidung beinah völlig geräuschlos und ohne Wissen der Leipziger über die Bühne gegangen wäre, wenn ich nicht durch Zufall auf den Sachverhalt gestoßen wäre, und zusammen mit der Giordano-Bruno-Stiftung einige Öffentlichkeitsarbeit geleistet hätte. Ich freu mich daher auch, daß unsere Arbeit hier vor Ort den Weg dafür geebnet hat, daß der Stadtrat in Münster den Wunsch des Zentralkomitees der Katholiken nach einer Finanzierung des Katholikentages dort abgelehnt hat. Mein Wunsch ist nun, daß auch andere Städte diesem Beispiel folgen. Hier in Leipzig hat man nichts dazugelernt und auch dem Evangelischen Kirchentag eine Million Euro zugesagt, obwohl dieser nicht mal in Leipzig stattfindet. Ich muß meinen Kollegen hier also eine akute Merkbefreiung unterstellen ausstellen.

    Für welche weiteren Themen engagierst du dich noch im Stadtrat von Leipzig?

    Mein absolutes Herzensthema ist Stadtentwicklung und Bau, einfach weil es so vielschichtig ist. Es hat einen sozialen Aspekt: Wie können wir alle Leipziger mit angemessenem Wohnraum überall in der Stadt versorgen? Es hat einen ästhetischen Aspekt: Wie soll das, was wir hier bauen, aussehen und wird es auch den Menschen gefallen, die darin wohnen sollen? Es hat einen räumlichen Aspekt: Wie verteilen wir die Dinge, die eine Stadt ausmachen, in dieser? Städtebau ist ja viel mehr als nur die Frage, wo neue Wohnungen gebaut werden. Es geht um Schulen, Kindergärten, Parks, Denkmäler, Brunnen, Sporteinrichtungen, Kulturgebäude, um Straßenbenennungen, öffentlichen Nahverkehr, Parkraum, Denkmalschutz usw.

    Mein zweiter Schwerpunkt ist Arbeitspolitik, was sich kommunalpolitisch meist auf alle Sachfragen rund um das Jobcenter beschränkt. Daher sitze ich auch für meine Fraktion im Jobcenter-Beirat und habe mir fest vorgenommen, in meinen fünf Jahren Mandatszeit dem Jobcenter mächtig Feuer unterm Hintern zu machen.

    Das hat bis jetzt auch schon gut geklappt: im November konnte ich in Zusammenarbeit mit einem der Köpfe von sanktionsfrei.de einige interne E-Mails des Jobcenters öffentlich machen, was dazu geführt hat, daß viele Leipziger Hilfeempfänger sich noch die Zahlung höherer Kosten der Unterkunft sichern konnten, die ihnen sonst entgangen wäre.

    Für diese Aktion wurde ich bereits zum städtischen Datenschutzbeauftragten zitiert und mir wurde seitens der Stadtverwaltung mündlich ein Disziplinarverfahren in Aussicht gestellt.

    Was war bisher dein größter Erfolg?

    Oh, das sind eher so die ein oder anderen Puzzle-Steinchen, die man als Erfolge verbuchen kann: Ich zähle da auf jeden Fall schon unseren Stadtratswahlkampf dazu, der ja in ein ganz anständiges Ergebnis gemündet ist, und danach hatten wir sogar noch eine Nachwahl zu bestreiten, in der wir es geschafft haben, unseren Sitz nicht wieder zu verlieren.

    Ich freue mich auch darüber, daß ich einen für uns positiven Fraktionsvertrag verhandeln konnte; durch „(K)Eine Million“ haben wir landesweit auf uns aufmerksam machen können und erst kürzlich konnte ich durch zähe Verhandlungen mit drei Fraktionen den Livestream aus dem Stadtrat nicht nur verteidigen, sondern auch weiter ausbauen, sodaß mehr Menschen an dem teilhaben können, was wir hier für sie entscheiden dürfen und müssen.

    Von außen klingt das sicher alles nach Kleinigkeiten, aber jeder, der kommunalpolitisch arbeitet, weiß, wie mühsam alles sein kann. Man freut sich da eben schon an jenen Kleinigkeiten.

    Kommunalpolitik kann sicher manchmal auch frustrierend sein. Was würdest du an der etablierten Politik sofort ändern, wenn du es dürftest?

    Die sächsische Gemeindeordnung ist oft hinderlich, gerade für kleine Parteien. Zuerst einmal würde ich das willkürliche Festlegen der Mindestanzahl an Ratsmitgliedern für eine Fraktion abschaffen – ein Fakt, der hier in Leipzig die Bildung einer kleinen Fraktion verhindert hat.
    Aber ich finde es auch ungerecht, daß Stadträte nur dann Anträge einreichen dürfen, wenn dem mindestens 20 % der Ratsversammlung (oder eben eine Fraktion) zustimmen. Dies hindert gerade Einzelstadträte oder in ihrer Fraktion nicht so beliebte Mitglieder der Ratsversammlung daran, ihre Ideen in den Prozeß einzubringen.

    Daß fast alle Ausschüsse unter Ausschluß der Öffentlichkeit tagen, sehe ich ebenfalls kritisch. Für einige wichtige Entscheidungen ist Vertraulichkeit sicher von Vorteil, gerade wenn es um Finanzverhandlungen geht, die sich sonst für die Stadt nachteilig entwickeln könnten, jedoch sollte es auch in beratenden Ausschüssen einen öffentlichen Teil geben. Dies wären alles kleine Schritte, die unproblematisch umzusetzen wären, und die die Ratsarbeit aus meiner Sicht bürgerfreundlicher und demokratischer machen würden.

    Welche weiteren politischen Ziele möchtest du in deiner Amtszeit erreichen?

    Oh, im Alleingang ist das natürlich schwer! Ich bin nur eine Piratin von 70 Stadträten und habe keine Piratenfraktion hinter mir, sodaß ich da lieber realistisch bleibe.
    Ein Anliegen wäre mir, daß die internen Dienstanweisungen des Jobcenters veröffentlicht werden müssen, um den auf Beihilfen angewiesenen Leipzigern zu ermöglichen, sich auf Augenhöhe mit dem Jobcenter zu bewegen. Ich ahne aber, daß die anderen Stadträte von einem solchen Anliegen eher wenig begeistert sind, wie mir die Reaktionen auf die Veröffentlichung interner Jobcenter-E-Mails gezeigt haben.

    Da aber auch der nächste Stadtratswahlkampf rein rechnerisch in meine Amtszeit fällt, ist ein weiteres Ziel, daß wir 2019 in Fraktionsstärke in den Stadtrat einziehen werden – Freibeuterfraktion, wir kommen!

    Vielen Dank für das Interview.

    Gerne 🙂

  • Warum Strafrechts- und Sexismusdebatten die falsche Reaktion auf Köln sind

    Seit die Straftaten in Köln an Silvester bekannt geworden sind, ist viel über Lösungen diskutiert worden. Und das, obwohl valide Zahlen noch nicht einmal vorlagen. Aktuell gibt es zwar ca. 600 Anzeigen, aber noch keine rechtskräftigen Verurteilungen. Seltsam wirken auch die ersten Beschreibungen von Männern, die „nordafrikanisch“ aussehen – wie sieht denn ein Nordafrikaner aus? Nichtsdestoweniger gab es unmittelbar politische Forderungen nach einer Strafrechtsverschärfung sowie einen lauten Aufschrei seitens der Feminismus-Community, die beide im Gesamtbild völlig haltlos wirken.

    Die einzig richtige Reaktion darauf kam bisher vom Landesvorstand und der Piratenfraktion in Nordrhein-Westfalen, die unmissverständlich den Rücktritt von Innenminister Ralf Jäger fordern. Bereits kurz nach Bekanntwerden der Ereignisse von Silvester hatte Monika Pieper, MdL der Piraten in Nordrhein-Westfalen, auf einen Minibericht des Focus hin Jägers Verbleib im Amt in Frage gestellt, falls sich der Bericht bewahrheiten würde, dass dieser trotz Warnungen keine weiteren Einsatzkräfte mobilisiert habe. Für den morgigen Donnerstag ist eine Sondersitzung des Landtags anberaumt, nachdem Jäger am Montag im Innenausschuss nicht die geringsten Fehler einräumen wollte und stattdessen der Polizei die Schuld gegeben hatte.

    Diese Sitzung wird genau zu verfolgen sein, denn gerade hier liegen die politischen Fehler, die dazu führen konnten, dass die Übergriffe in Köln nicht verhindert wurden.

    Das Versagen liegt nicht in einer angeblich sexualisierten Gesellschaft. Die These, dass Übergriffe zum „Machtwerkzeug des Patriarchats“ gehören, findet sich leider sogar innerhalb der Piratenpartei. Es gibt jedoch keinerlei Beleg dafür, dass die Ereignisse von Köln ihre Ursachen in einer generell sexistischen Haltung der Gesellschaft haben, selbst wenn man unterstellen würde, dass es diese überhaupt gäbe. In der Berichterstattung wurde vielmehr deutlich, dass die Belästigungen (auch wenn sie als schwerwiegenderes Delikt in den Vordergrund gerückt sind) wohl in erster Linie zur Tarnung dienten, Menschen zu überrumpeln und dann auszurauben. Natürlich macht das den Schock eines sexualisierten Angriffs nicht weniger schlimm. Aber wenn dieser reines Mittel zum Zweck ist, erübrigt sich die Sexismusdebatte.

    Auch sollte man an dieser Stelle mit „#eineArmlaenge“ aufräumen: Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte auf einer Pressekonferenz auf die ausdrückliche Frage, wie Frauen sich denn schützen könnten, geantwortet, die Frauen sollten eine Armeslänge Abstand halten. Daraus nun den Vorwurf zu basteln, Reker hätte Frauen die Verantwortung zugeschoben, ist schlicht blanker Unsinn. Hätte Reker gesagt, es sei nicht Aufgabe von Frauen, sich zu schützen, hätte die Internetgemeinde ihr vermutlich vorgeworfen, sie wolle Frauen schutzlos ihren Peinigern ausliefern.

    Die Ursachen lagen auch nicht in zu geringen Strafen, wie Heiko „Vorratsdatenspeicherung“ Maas meinte und gleich ein Gesetz ankündigte, mit dem angebliche Lücken im Strafrecht geschlossen werden sollen. Einige Regelungen davon mögen grundsätzlich sinnvoll sein, aber sie gehen zu weit. Nehmen wir die geplante Änderung von § 179 StGB, mit der künftig auch das überrumpelte und daher widerstandsunfähige Opfer geschützt werden soll. Das klingt erstmal sinnvoll, weil Herr Maas dabei an die Opfer in Köln denkt. Juristen sollten aber an die Grenzfälle denken: Was ist, wenn jemand beim Flirten irgendwann die Hand des Gegenübers nimmt? Oder die Hand auf dessen Knie legt? Oder jemanden küsst? Will sagen: Der neue § 179 StGB differenziert nicht zwischen dem aggressiven Räuber auf der Straße und dem Teenager, der vor lauter Aufregung die Signale seines Partners falsch deutet.

    Wie BGH-Richter Fischer zudem bereits 2015 betont hatte, liegt das Problem einer Strafrechtsverschärfung darin, dass diese auch ein Stück weit freiheitsraubend ist. Selbstverständlich ist es theoretisch möglich, absolut jede sexuelle Handlung, in die nicht ausdrücklich eingewilligt wurde, unter Strafe zu stellen. Dies ist aber gerade in einem so persönlichen Bereich wie dem Sexualleben problematisch, zumal Menschen in privatem Kreis auch mal uneindeutige Signale an Flirtpartner senden. War die entspechende Reaktion nicht erwünscht, kann sie nach dem neuen Strafrecht zur Strafbarkeit führen. Dass für jegliche Handlung, die man im weitesten Sinne als „sexuell“ betrachten kann, eine ausdrückliche Einwilligung vorliegen müsse, ist lebensfremd und Ausdruck einer Politik, die auch noch die intimsten Lebensbereiche ihrer Bürger kontrollieren will. Jeder Mensch hat das Recht, „Nein“ zu sagen, aber solange das Gegenüber dazu in der Lage ist, muss man in gewissen Situationen auch ein „Nein“ verlangen können.

    Und – leider muss man auch das betonen – selbstverständlich liegt das Problem erst recht nicht in der Zuwanderung. Dass sich syrische Flüchtlinge in Köln über Flugblätter sofort von den Ereignissen distanziert hatten, hinderte Politiker quer durch den Bundestag nicht daran, auf den Zug von AfD und Pegida aufzuspringen. Kanzlerin Merkel unterwarf sich dem Populismus ihrer eigenen Partei ebenso wie die LINKE-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht, die vom „Verwirken des Gastrechtes“ sprach. Man muss es deutlich sagen: Die Flüchtlinge sind nicht als Gäste hier; sie sind als Menschen in Not hier. Wir gewähren ihnen Asyl, weil es eine Frage von Menschlichkeit ist, einen Mitmenschen nicht an einer Grenze hängenzulassen, auf deren anderen Seite er sterben würde. Menschlichkeit kann aber nicht verwirkt werden, auch nicht durch einen Handtaschendiebstahl.

    Übrig bleibt also die ganz banale Frage: Warum bekommt in Köln die Polizei Randalierer nicht in den Griff, obwohl ihnen die volle Macht der Staatsgewalt einschließlich Platzverweisen, Festnahmen und ggf. Waffengewalt zur Verfügung steht? Warum kam niemand den Menschen zu Hilfe, als diese belästigt wurden? Die Antwort ist die übliche: zu wenig Polizei. Dabei geht es nur begrenzt darum, dass die Polizei zu wenig Leute in der Kölner Innenstadt hatte, wie sie selbst eingeräumt hat.

    Es geht darum, dass die Polizei seit Jahren generell personell nicht ausreichend ausgestattet ist. Es geht darum, dass Politiker seit Jahren versuchen, Polizeibeamte durch Überwachungskameras und Gesetzesverschärfungen zu ersetzen. Aber weder Kameras noch neue Gesetze werden verhindern, dass sich Raubüberfälle wiederholen, denn Kameras steigern eben doch nur die „gefühlte Sicherheit“. Wirklich verhindert werden kann ein Verbrechen nur durch die Anwesenheit von genug Polizisten vor Ort, und Jäger wird Rede und Antwort stehen müssen, warum das in Köln nicht der Fall war. Deswegen sollten wir uns nicht in Strafrechts- und Sexismusdiskussionen vertiefen, sondern vor allem genau hinschauen, was der nordrhein-westfälische Innenminister zu diesem Thema sagt. Diskussionen in andere Richtungen laufen nur darauf hinaus, von einer einfachen Tatsache abzulenken: Mehr Überwachung bringt keine Sicherheit. Deswegen ist Jäger nach den Ereignissen von Köln nicht mehr tragbar.

  • Zivilcourage und Polizeipräsenz gegen sexualisierte Gewalt

    Eine Woche nach den abscheulichen Übergriffen in Köln ist sexalisierte Gewalt das öffentlich diskutierte Thema, das es schon seit Jahrzehnten hätte sein müssen. Auffälligerweise wird allerdings vor allem von den Menschen ein schärferes Vorgehen gegen die Täter gefordert, die vor drei Jahren im Rahmen der #aufschrei-Diskussionen die Frauen, die von selbst erlebten Übergriffen berichtet haben, als hysterisch oder Tugendfurien bezeichnet haben.

    Tatsache ist, dass sexuelle Übergriffe im Rahmen von Großveranstaltungen wie dem Oktoberfest oder dem Kölner Karneval schon immer passiert sind, sie aber nicht öffentlich diskutiert wurden. Das liegt einerseits daran, dass unsere Sexualmoral tief in uns verankert hat, dass Opfer sexueller Gewalt selbst schuld sind, weil sie sich zu aufreizend angezogen hatten oder sich gar anmaßten, sich nachts einfach so alleine durch die Stadt zu bewegen – obwohl doch klar sein müsste, dass dies ein männliches Privileg ist, wie uns diejenigen klarmachen wollen, die jetzt wieder „Verhaltensregeln“ für Frauen aufstellen wollen. Andererseits sind sexuelle Übergriffe ein unverzichtbares und kaum hinterfragtes Machtwerkzeug des Patriarchats, die Hierarchie zwischen Männern und Frauen jederzeit neu zu vermitteln.

    Jetzt leben wir aber in einer Zeit, in der geflüchtete Menschen als Sündenböcke für alles von Kaufhausdiebstahl bis hin zur parlamentarischen Schnellübergehung von Volksgesetzgebung herhalten müssen. Die neue Qualität ist, dass die Übergriffe dadurch das Klima dafür geschaffen haben, unseren kulturellen Disrespekt vor sebstbestimmten Handlungen von Frauen auf imaginierte Zerrbilder anderer Kulturen, die die Geflüchteten angeblich mitgebracht haben sollen, zu projizieren.

    Die Kölner Polizei, die Angst hatte, sich in eine eskalierende Massensituation einzumischen, obwohl sie genau für diese Situationen mit dem staatlichen Gewaltmonopol ausgestattet ist, ging davon aus, dass nichts passieren würde, wenn sie die Übergriffe der Nacht einfach ignorieren und in ihrem Bericht übergehen würde, weil das schon immer so war. Wie ein Polizeipräsident, der als politisch Verantwortlicher für diese Lügen gerade stehen müsste, sich im Rahmen der aktuellen Diskussion als Aufklärer statt als Teil des Problems darstellen kann, ist mir völlig unverständlich.

    Die meisten Vergewaltigungen und sexualisierten Übergriffe werden deswegen nicht angezeigt, weil es den Betroffenen klar ist, dass sie mit einer Anzeige nicht nur selbst zum Ziel weiterer Angriffe werden, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Täter angezeigt oder gar verurteilt werden, mikroskopisch ist. Wie Bundeskanzlerin Merkel im Hinblick darauf einen Gesetzesentwurf von Justizminister Maas, der viele momentan völlig legale Fälle von Vergewaltigung strafbar machen würde, seit Monaten blockieren kann, ist mir ebenso unverständlich.

    Und warum nach den Vorfällen in Köln 82% der Befragten in einer aktuellen dimap-Umfrage für eine Ausweitung der Videoüberwachung sind, ist mir auch unverständlich. Immerhin war Köln auch in der Silvesternacht bereits eine der Städte in Deutschland mit der höchsten Kameradichte. Videoüberwachung ist vor allem ein Vorwand, Wach- und Sicherheitspersonal noch weiter zurückzufahren, sodass Verbrecher noch freiere Bahn haben. Eine Videokamera hat noch nie ein Verbrechen verhindert oder ein Opfer geschützt.

    Insgesamt bleibt die Hoffnung, dass sexualisierte Übergriffe jetzt endlich als die abscheulichen Verbrechen dargestellt werden, die sie schon immer waren, ohne so zu tun, als seien sie ein Importprodukt, das mit uns nichts zu tun hätte. Ich rufe alle gesellschaftlichen Akteur_innen dazu auf, diese Verantwortung zu tragen.

  • PIRATEN wünschen der CSU weniger Populismus

    Alle Jahre wieder kommen die drei Weisen aus dem Morgenland nach Wildbad Kreuth zum Heilig-Drei-König-Treffen um der CSU den Segen zu bringen.

    „Wir PIRATEN hoffen nur, das sie nicht über die geforderte Obergrenze der CSU für Einwanderer fallen, denn dann wird es nichts mit dem Segen. Wir wünschen der CSU weniger Angst im Umgang mit dem Unbekannten und weniger Populismus in der Aussage. Jetzt wird die CSU sich in Wildbad-Kreuth wieder einigeln und ihre Sprüche hart an der Grenze jeglichen Geschmacks präsentieren. Dem Volk vermeintlich aufs Maul zu schauen, bringt nicht immer die besten Seiten Deutschlands hervor. Die CSU wird umso lauter, je tiefer sie laut Umfragen in der Wählergunst absackt.
    Wir fordern: weniger Populismus und mehr Menschlichkeit, lieber Herr Seehofer, das ist doch gar nicht schwer.“

    sagt Stefan Körner, Bundesvorsitzender der Piratenpartei Deutschland.