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  • Stellungnahme zur geplanten EEG-Novelle: Grundlegende Überarbeitung notwendig

    Stellungnahme zur geplanten EEG-Novelle: Grundlegende Überarbeitung notwendig

    Die Regierungskoalition aus SPD, FDP und Grünen arbeitet an einem Gesetz zur Beschleunigung der Energiewende, mit dem das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) und damit verbundene Gesetze geändert werden sollen. Bis zum 17.3.2022 gab es die Möglichkeit, zum aktuellen Entwurf Stellung zu nehmen. Die Arbeitsgruppe Energiepolitik hat dies im Namen der Piratenpartei getan. [1] 

    Im Wesentlichen beinhaltet das Gesetz sehr viele kritikwürdige Punkte. Immerhin ist es schon sehr viel besser als alles, was die CDU-geführten Bundesregierungen vorher abgeliefert hatten.

    Ganz grundlegende Probleme sind leider noch immer nicht ansatzweise angegangen worden. Die Energiewende ist grundsätzlich eine Entwicklung zur Dezentralität und zu weniger Abhängigkeit von Konzernen. Mit dem Gesetzentwurf wird dem nur in sehr geringem Umfang Rechnung getragen. Die Hauptausrichtung liegt nach wie vor auf großen überregionalen Strukturen mit zentralistischen Schlüsselkomponenten.

    Wie schon im Szenariorahmen für den Netzentwicklungsplan [2] wird der Schwerpunkt auf eine möglichst weiträumige Vernetzung gelegt und der Stromhandel in den Vordergrund gestellt. Die Ausbauziele für die Erneuerbaren sind alles andere als ambitioniert und Speicher spielen nur eine deutlich untergeordnete Rolle.

    Auch dieser Gesetzentwurf verfehlt das Ziel, schnell eine nachhaltige, bezahlbare und zuverlässige Stromversorgung zu realisieren. Tatsächlich wird mit der Fehlplanung bei den Speichern die Versorgungssicherheit gewissermaßen abgeschafft. 

    Die abrufbaren Erzeuger sind so niedrig angesetzt, dass im Fall einer Dunkelflaute innerhalb weniger Stunden ein Großteil der Energie aus Nachbarländern importiert werden müsste. Andererseits würde bei der täglichen Produktionsspitze der Erneuerbaren ein erheblicher Überschuss anfallen, der nicht ansatzweise gespeichert, genutzt oder in andere Regionen verschoben werden könnte.

    Ohne massiven Speicherausbau ist die Energiewende nicht zu schaffen, Netzausbau hilft hier nicht, denn das Netz kann keine Energie speichern, sondern nur verteilen. Das hilft nicht, wenn überall zur selben Zeit viel Strom produziert wird. Außerdem wird, trotz einiger Fortschritte, mit vielen Regelungen und bürokratischen Hürden die lokale Zusammenführung von Erzeugung und Verbrauch komplizierter gemacht als notwendig.

    Fazit: Dieser Ansatz ist untauglich. Eine grundlegende Überarbeitung ist dringend notwendig und der Ansatz der zentralisierten Energieversorgung muss aus der Planung verschwinden.

    Quellen:

    [1] Stellungnahme zur „Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG)“ auf der Homepage der Arbeitsgruppe Energiepolitik der Piratenpartei: energiepolitik.piratenpartei.de/2022/03/25/stellungnahme-zum-referentenentwurf-der-novelle-des-erneuerbare-energien-gesetzes-eeg/

    [2] Stellungnahme zum „Szenariorahmen zum Netzentwicklungsplan“ auf der Homepage der Arbeitsgruppe Energiepolitik der Piratenpartei: energiepolitik.piratenpartei.de/2022/02/16/stellungnahme-zum-szenariorahmen-zum-netzentwicklungsplan/

  • Kehrtwende in die nächste Sackgasse

    Kehrtwende in die nächste Sackgasse

    „Freiheitsenergien“, so hat Christian Lindner in einer Bundestagsrede die Erneuerbaren Energien wortwörtlich genannt. Er hat auch klar gesagt, dass Kernkraft keine Rolle für unsere Energieversorgung spielen kann, nachdem Wirtschafts- und Klimaminister Habeck von seinem Ministerium eine unideologische Prüfung aller Optionen durchführen ließ. Wer Lindners bisherige Meinung zur Energiepolitik kennt, weiß, was für ein enormer Wandel das ist.

    Aktuell wird eine Neufassung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) und zugehöriger Gesetze auf den Weg gebracht, mit der der Ausbau Erneuerbarer Energien (EE) massiv beschleunigt werden soll. Denn es ist absolut richtig: Sonne und Wind schicken uns keine Rechnungen und drohen uns nicht mit Lieferstopps, während sie andere Staaten überfallen. Eine konsequente Energiewende ist eben auch ein Friedens- und Freiheitsprojekt und so steht es auch schon lange im Programm der Piratenpartei.

    Leider sind aber wieder dunkle Wolken am Horizont hinter diesem Licht am Ende des Tunnels der aktuellen Weltlage aufgestiegen.

    Zu den „Sofortmaßnahmen“, um uns von der Abhängigkeit von russischen Energierohstoffen zu lösen, gehören nicht etwa solche Maßnahmen wie ein Verbot der Neuinstallation von Öl- und Gasheizungen und ein massives Förderprogramm für energetische Sanierung und Wärmepumpen. Stattdessen will man LNG-Terminals (LNG = verflüssigtes Erdgas bei ca. -163°C) bauen und den Import von Wasserstoff voranbringen.

    Also anstatt sich darum zu kümmern, Dinge mit sofortiger und nachhaltiger Wirkung zu tun, werden Dinge angeschoben, die erst in mehreren Jahren einen Effekt zeigen könnten und nur eine alte durch eine neue Abhängigkeit ersetzen. Die Menge an LNG auf dem Weltmarkt ist begrenzt und es gibt nicht beliebig viele Lieferanten. Bei Wasserstoff gibt es bisher gar keine.

    Weder ist also ein vielversprechendes Angebot auf dem Markt vorhanden, noch befreit uns so ein Schritt aus Abhängigkeiten. Mal ganz abgesehen davon, dass LNG für die Umwelt und das Klima noch schlechter ist als normales Erdgas, da es oft aus Frackinggas stammt und immer viel Energie für die Verflüssigung braucht. Und die potenziellen Lieferländer sehen dann auch nicht alle so toll aus. Der Vorteil von LNG aus dem Persischen Golf gegenüber russischem Gas ist wahrscheinlich, dass dort nur der Jemen bombardiert wird und der uns nicht interessiert, also ist die Beziehung nicht so belastet, so ein gelegentlicher zerstückelter Regimekritiker ist ja weniger schlimm.

    Aber wir können dann ja auf die Neufassung des EEG hoffen, das bei uns den Ausbau der Erneuerbaren ganz enorm beschleunigen soll. Oder auch nicht. Zumindest nicht richtig. Der aktuelle Referentenentwurf sieht jedenfalls nicht danach aus.

    Photovoltaikanlagen auf Dächern bekommen nach dem Neuentwurf nur dann einen ordentlichen Preis, wenn sie den gesamten Strom einspeisen und nicht nur den Teil, der nicht direkt im Gebäude selbst verbraucht wird. Speicher sind nur spärlich vorgesehen: Wird wirklich so gebaut, wie im Gesetzentwurf geplant, dann werfen wir tagsüber enorme Mengen Energie weg und haben nachts, oder an ertragsschwachen Tagen, zu wenig. Wahrscheinlich soll deshalb so viel LNG und Wasserstoff importiert werden, damit diese Lücken extrem teuer über Gaskraftwerke gefüllt werden können.

    Herr Habeck, schmeißen Sie Ihren Beraterstab raus! Der ist offensichtlich besetzt mit Leuten, die Interesse an spezifischen Geschäftsmodellen haben: Dem Betrieb riesiger Netze, Import von Gas und Betrieb von teuren Gaskraftwerken.

    Das ist keine Energiewende, das ist ein Fortschreiben der alten Geschäftsmodelle. So werden wir nicht weniger erpressbar, nicht klimaneutral und unsere Versorgungssicherheit ist in akuter Gefahr.

    Wir lernen gerade schmerzhaft, dass eine falsche Energiepolitik unsere Entscheidungsfreiheit einengt, unseren europäischen Nachbarn so beizustehen, wie es notwendig ist. Das ist eine bittere Lektion, die wir nie wieder vergessen dürfen!

  • Coronapandemie und der Schutz der Menschen in und aus der Ukraine

    Coronapandemie und der Schutz der Menschen in und aus der Ukraine

    Durch den Krieg in der Ukraine gibt es derzeit mehrere Millionen neue Geflüchtete. Vornehmlich Frauen, Kinder, Jugendliche und ältere Menschen. Sie werden in ganz Europa Schutz finden und versorgt werden. Und auch in Deutschland müssen wir den Ankommenden möglichst schnell Schutz gewährleisten. 

    Die Coronapandemie wird auch hierbei ein Problem werden. Mit Stand zum 23. Februar war bisher nur deutlich weniger als die Hälfte der ukrainischen Bevölkerung vollständig geimpft – leider gibt es aus der Ukraine seit Kriegsbeginn keine Corona-Daten mehr. [1] Währenddessen steigen auch bei uns Inzidenzzahlen seit ein paar Tagen massiv an. Auch die neue Corona-Variante Omicron-BA2 trägt dazu bei. 

    Darüber hinaus gestaltet es sich schwierig, eine Übersicht über den Impfstatus der Flüchtenden zu erhalten. Denn viele Flüchtenden kommen ohne offizielle Impfnachweise an, während eine Selbstauskunft durch Sprachbarrieren erschwert wird – wie sich in Versuchen, den Impfstatus bei Ankunft in Deutschland zu erheben, zeigte. [2]

    Oft kommen die Geflüchteten an Bahnhöfen an, wo sie auch gleich medizinisch versorgt werden können. Gleichzeitig bekommen sie Verpflegung und Unterkunft für die erste Zeit. Direkt nach der Erstversorgung sollten sie mit FFP2-Masken ausgestattet und aufgeklärt werden, wie sie unkompliziert und kostenlos eine Erst- oder Booster-Impfung bekommen können. 

    Kommunen brauchen höhere finanzielle Mittel

    Die Kommunen, die Geflüchtete aufnehmen, müssen finanziell besser vom Bund unterstützt werden. Das Gesundheitsministerium muss nun auch dafür sorgen, dass Menschen aus der Ukraine geschützt und versorgt werden. Auch PCR-Tests und Impfdosen müssen ausreichend vorgehalten und unkompliziert zur Verfügung gestellt werden. 

    Echte Existenzsicherung statt diskriminierender Sondergesetze

    Zudem wollen die PIRATEN eine echte Existenzsicherung statt diskriminierender Sondergesetze für Asylsuchende. Ukrainische Flüchtende müssen jetzt sofort Anspruch auf Sozialleistungen und Gesundheitsversorgung inklusive Impfung und zahnärztlicher Versorgung haben. Echte Existenzsicherung statt diskriminierender Sondergesetze. Aus unserem Wahlprogramm 2021 [3]:

    „Wir setzen uns dafür ein, dass Asylsuchende Anspruch auf Sozialleistungen haben, ohne dabei diskriminierenden Sondergesetzgebungen unterstellt zu werden. Das Recht auf sichere Existenz und Teilhabe muss für alle Menschen gelten – auch und besonders für Schutzsuchende.“

    Quellen:

    [1] Impfstatus im Vergleich Deutschland / Ukraine ourworldindata.org/explorers/coronavirus-data-explorer?zoomToSelection=true&facet=none&pickerSort=asc&pickerMetric=location&Metric=People+fully+vaccinated&Interval=7-day+rolling+average&Relative+to+Population=true&Color+by+test+positivity=false&country=DEU~UKR

    [2] www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/flucht-impfungen-101.html

    [3] Migrationsprogramm der Piratenpartei www.piratenpartei.de/bundestagswahl-2021/wahlprogramm-2021/asyl-und-migration/

  • Affront gegen Bundesverfassungsgericht: Sperrklausel zur Europawahl soll über Brüssel durchgedrückt werden

    Affront gegen Bundesverfassungsgericht: Sperrklausel zur Europawahl soll über Brüssel durchgedrückt werden

    Die Verhandlungsführer der größten Fraktionen im Europäischen Parlament haben sich Mittwochabend auf einen Deal zur Reform des Europawahlrechts geeinigt [1,2]. Dieser Deal soll Deutschland zur Einführung einer Sperrklausel zur Europawahl von 3,5% schon ab 2024 zwingen und über den Vorrang des Europarechts mehrere Urteile des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungswidrigkeit von Sperrklauseln aushebeln. Die Fraktion Grüne/EFA hat sich vergeblich dagegen eingesetzt. Gleichzeitig sollen transnationale Listen eingeführt und eine Geschlechterquote für Wahllisten zur Europawahl vorgeschrieben werden. Die formale Abstimmung im Parlament steht noch aus. Das letzte Wort haben anschließend die EU-Regierungen, die Einvernehmen im Rat erzielen müssen und die Zustimmung aller nationalen Parlamente benötigen.

    Der Europaabgeordnete der Piratenpartei Dr. Patrick Breyer verurteilt den Deal scharf:

    „Diese schamlose Selbstbedienung ist ein Affront gegen das Bundesverfassungsgericht und ein Anschlag auf unsere Demokratie. Mit der geplanten Sperrklausel von 3,5% wären bei der letzten Europawahl 3,1 Millionen Wählerstimmen für sechs kleine Parteien wie die Piratenpartei, Freie Wähler und die PARTEI wertlos verfallen und deren Parlamentssitze stattdessen an das politische Establishment gegangen. Die EU-Wahlrechtsreform darf nicht Vehikel für eigennützige Sperrklauselpläne der Regierungsparteien sein, die ihre eingebrochenen Wahlergebnisse kompensieren wollen! 

    Europa braucht mehr Mitbestimmung und politische Ideen, nicht weniger. Wer Millionen von Bürger:innen, die von den etablierten Parteien enttäuscht sind, keine andere Wahl lässt, treibt sie entweder in die Arme der AfD oder lässt sie insgesamt der Wahlurne den Rücken kehren. Beides schadet unserer Demokratie und gefährdet Europa.”

    Die deutsche Ampelkoalition hat die Einführung einer Sperrklausel von 2% nur für den Fall vereinbart, dass bis Sommer kein neues Wahlrecht vorliegt. „Mit der gestrigen Einigung ist diese Vereinbarung obsolet und die alten Sperrklauselpläne müssen vom Tisch“, erklärt Breyer.

    Quellen:

    [1] Mitteilung der Verhandlungsführers der Fraktion Grüne/Europäische Freie Allianz: twitter.com/d_boeselager/status/1501542721781174283 

    [2] Grafik zur Erklärung der Auswirkungen einer 3,5%-Sperrklausel: www.patrick-breyer.de/wp-content/uploads/2022/03/sperrklausel-2024.png 

  • Ortskräfte in Afghanistan sofort evakuieren

    Ortskräfte in Afghanistan sofort evakuieren

    Wegen der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan sind weiterhin ehemalige afghanische Mitarbeiter, die für Deutschland gearbeitet haben (sogenannte Ortskräfte) in Lebensgefahr.[1] Zuletzt spitzte sich die Lage dramatisch zu. In Pressekonferenzen erklären die Taliban, dass sie aktiv daran arbeiten, ehemalige Ortskräfte aufzuspüren, und Medienberichte zeigen weitreichende Durchsuchungen in Privatwohnungen, vorgeblich um Kriminelle zu identifizieren. UN-Generalsekretär António Guterres zufolge gibt es glaubhafte Berichte, dass seit dem 15. August mehr als 100 Ortskräfte getötet wurden [2].

    Jana Klemp, Koordinatorin der AG Innenpolitik, drängt auf schnellere Evakuierungsmaßnahmen, um die früheren Ortskräfte vor lebensbedrohlichen Übergriffen der Taliban zu schützen:

    „Diese Leute jetzt im Stich zu lassen ist nicht nur menschlich verwerflich, sondern auch für die zukünftige Zusammenarbeit Deutschlands in einem hohen Maße negativ. Sie haben sich für die Gute Sache eingesetzt. Wir brauchen solche Menschen – sie einfach fallen zu lassen wäre fatal.“

    Um schnelle Unterstützung zu leisten fordert Jana Klemp, dass Deutschland schnell die angekündigten Abkommen mit den Partnerländern vor Ort vereinbart, Ortskräfte zeitweise aufzunehmen [3]. Darüber hinaus sieht sie Deutschland in der Verantwortung, für die dauerhafte Sicherheit der Ortskräfte Sorge zu tragen.

    Quellen:

    [1] www.stern.de/panorama/video-afghanische-ortskraefte—-wir-muessen-dringend-handeln–31651458.html

    [2] www.n-tv.de/politik/Taliban-toeten-Dutzende-Ortskraefte-und-Beamte-article23093875.html

    [3] www.auswaertiges-amt.de/de/service/afg?openAccordionId=item-2479426-1-panel

  • Piratenpartei sieht Szenariorahmen für den Netzentwicklungsplan als gefährliche Fehlentwicklung

    Piratenpartei sieht Szenariorahmen für den Netzentwicklungsplan als gefährliche Fehlentwicklung

    Die Bundesnetzagentur hat den Entwurf des Szenariorahmens zum „Netzentwicklungsplan Strom 2037 mit Ausblick 2045“ zur öffentlichen Konsultation gestellt. Dieser Szenariorahmen soll in der endgültigen Version als Planungsbasis für den weiteren Ausbau des Übertragungsnetzes in Deutschland dienen und hat damit Auswirkungen bis weit in die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts. Im Rahmen der öffentlichen Konsultation hat die Arbeitsgemeinschaft (AG) Energiepolitik der Piratenpartei Deutschland eine Stellungnahme eingereicht [1].

    Der Szenariorahmen betrachtet drei verschiedene Szenarien mit etwas unterschiedlichen Entwicklungen beim Energiemix. Keines der Szenarien erreicht 100% Nachhaltigkeit der Stromversorgung bis 2045, und alle benötigen umfangreiche Importe von Wasserstoff.

    Die AG Energiepolitik der Piratenpartei Deutschland sieht den vorliegenden Entwurf des Szenariorahmens als sehr bedenklich an. Der Schwerpunkt der Szenarien liegt darauf, Strukturen zu schaffen, mit denen über möglichst große Entfernungen Strom transportiert und gehandelt werden kann. Nachhaltigkeit, Kosten und Versorgungssicherheit werden der Maximierung der Handelsoptionen untergeordnet. Dabei wird im Grunde angenommen, dass es physikalisch und wirtschaftlich sinnvoll oder möglich wäre, Strom quer durch ganz Europa zu verschieben.

    Guido Körber, Themenbeauftragter Energiepolitik der Piratenpartei, kritisiert, dass der aktuelle Szenariorahmen Verbraucherinteressen nur unzureichend repräsentiert:

    „Der Szenariorahmen wurde von den Übertragungsnetzbetreibern entworfen, und wenig überraschend ist deren Fazit, dass wir mehr Übertragungsnetze brauchen – sehr viel mehr. Das mag dem Geschäftsmodell der Übertragungsnetzbetreiber entsprechen, aber das wird für die deutschen Stromkunden enorm teuer. Es geht auf Kosten der Versorgungssicherheit und birgt Risiken bezüglich der rechtzeitigen Umsetzung der Energiewende. Dezentrale Systeme, konsequenter Ausbau von Speichern und Wechsel zu nachhaltigen Quellen sind in diesen Szenarien untergeordnet. Wird dieser Plan so umgesetzt, dann ist der Blackout vorprogrammiert.“

    Die eingeplanten erneuerbaren Strommengen in den Szenarien bleiben dabei noch hinter den ohnehin nicht sehr ambitionierten Zielen der Bundesregierung zurück. An vielen Stellen sind die Zahlen unglaubwürdig, offensichtlich falsch oder fehlen.

    Versorgungssicherheit soll darüber erreicht werden, dass Strom aus Nachbarländern kommt, oder mittels importiertem Wasserstoff erzeugt wird. Körber warnt

    „Aktuelle Erfahrungen mit der Abhängigkeit von Gaslieferungen aus Russland sollten eine klare Sprache sprechen. Es gibt keine technischen oder wirtschaftlichen Gründe dafür, die Energieversorgung nicht zu 100% nachhaltig und lokal umzusetzen. Der vorgestellte Szenariorahmen darf so nicht verwendet werden, wenn wir unsere Stromversorgung nicht gefährden und unnötig verteuern wollen.“

    Die Stellungnahme ist hier im Wortlaut veröffentlicht:

    energiepolitik.piratenpartei.de/2022/02/16/stellungnahme-zum-szenariorahmen-zum-netzentwicklungsplan/

  • Umfrage: Vorratsdatenspeicherung schadet der Bevölkerung

    Im Vorfeld des Urteils des französischen Verfassungsgerichtshofs zur Vorratsdatenspeicherung (angekündigt für den 25. Februar 2022) bestätigt eine neue Meinungsumfrage, dass Vorratsdatenspeicherung massive gesellschaftliche Probleme verursacht, weil sie von vertraulicher Kommunikation abschreckt.

    Massenüberwachung geht auf Kosten der Bevölkerung 

    Eine repräsentative YouGov-Umfrage, durchgeführt in neun EU-Staaten, bestätigt gravierende Einschüchterungseffekte (chilling effects) einer verdachtslosen Vorratsspeicherung der Verbindungen und Standortdaten der gesamten Bevölkerung [1]. Fast die Hälfte der Befragten in Deutschland (45%) würde auf Beratung durch einen Eheberater, einen Psychotherapeuten oder eine Entzugsklinik per Telefon, Handy oder E-Mail verzichten, wenn sie wüssten, dass ihr Kontakt registriert wird. Europaweit würden mehr als ein Drittel (34%) der Menschen auf notwendige soziale und medizinische Beratung verzichten. 

    „Wenn so viele Menschen in Notsituationen keine anonyme Beratung mehr in Anspruch nehmen, kann das zu Gewalt führen und Menschenleben gefährden“, kommentiert der Europaabgeordnete und Bürgerrechtler Dr. Patrick Breyer, der die Umfrage in Auftrag gegeben hat. „Die Vorratsdatenspeicherung ist das erste Überwachungsgesetz, das sich gegen die ganze Bevölkerung richtet. Ärzte, Rechtsanwälte, Betriebsräte, Psychologen und Beratungsstellen leiden ebenso darunter wie die Presse, die auf vertrauliche Quellen angewiesen ist. Die Unterscheidung zwischen Inhalts- und Kommunikationsdaten stimmt heute nicht mehr. Wir wissen heute, nach dem aktuellen Stand der Forschung, dass Metadaten mindestens so sensible Rückschlüsse zulassen wie die Inhalte privater Kommunikation.“

    Ein Urteil für Luxemburg, Brüssel und Berlin

    Am Freitag, 25. Februar wird das französische Verfassungsgericht (Conseil Constitutionnel) über die Verfassungsmäßigkeit der Vorratsdatenspeicherung in Frankreich urteilen [2]. Die Entscheidung ist wegweisend und kann Einfluss auf laufende Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) sowie dem Bundesverfassungsgericht zu Gesetzen zur Vorratsdatenspeicherung haben. In Brüssel betrifft das Urteil aktuelle Pläne der EU-Kommission für einen neuen Vorstoß, Pflichten zur massenhaften Speicherung von Kommunikationsdaten einzuführen [3]. In Berlin wird das Urteil im Kontext der Pläne von Bundesjustizminister Marco Buschmann, der das deutsche Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung abschaffen will, gelesen werden [4].

    Mehrheit in Deutschland lehnt Vorratsdatenspeicherung ab

    Der YouGov-Umfrage zufolge lehnen 51% der Befragten in Deutschland eine Vorratsdatenspeicherung ab, während nur 31% dafür und 19% unentschieden sind. Ohne Berücksichtigung der unentschiedenen Antworten ergibt sich ein noch deutlicheres Bild: fast zwei Drittel (62,5% derer, die eine Meinung äußerten) lehnen eine verdachtslose Vorratsdatenspeicherung ab. Nur 37,5% befürworten sie.

    In Auftrag gegeben wurde die Umfrage von dem Europaabgeordneten der Piratenpartei Dr. Patrick Breyer (Fraktion Grüne/Europäische Freie Allianz), der in der Vergangenheit gegen das deutsche Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung Verfassungsbeschwerde erhoben hat. Befragt wurden Bürger:innen aus den Niederlanden, Deutschland, Italien, Frankreich, Österreich, Tschechien, Spanien, Schweden und Belgien. Zum Umfrageergebnis erklärt Breyer:

    „Die Umfrageergebnisse machen erneut deutlich, wie dramatisch die Folgen der Einführung einer verdachtslosen Vorratsdatenspeicherung auf die Bevölkerung sind. Wenn Menschen aus Angst vor Überwachung darauf verzichten, wichtige medizinische und familiäre Beratungsangebote wahrzunehmen, ist das katastrophal. Das Leben und die Gesundheit potenzieller Opfer von Gewalttaten kann in vielen Fällen nur durch anonyme Beratung geschützt werden (z.B. Telefonseelsorge, Hotlines). Viele Täter sind nur im Schutz der Anonymität bereit, sich helfen zu lassen, wobei sie vielfach von geplanten Gewalttaten abgebracht oder von der Notwendigkeit einer Behandlung überzeugt werden können. Und viele Opfer können sich nur im Rahmen anonymer Beratung entschließen, Täter anzuzeigen – eine unverzichtbare Voraussetzung von Strafverfolgung. 

    Bei dem Vorhaben einer europaweit flächendeckenden IP-Vorratsdatenspeicherung, dem die Luxemburger Richter zuletzt unter massivem Druck zugestimmt hatten, herrscht leider aktuell die größte Einigkeit. Dabei dürfen keinesfalls alle Internetnutzer unter Generalverdacht gestellt und die Anonymität im Netz abgeschafft werden. Eine generelle und undifferenzierte Vorratsspeicherung unserer Identität im Internet ermöglicht die Erstellung aussagekräftiger Persönlichkeits- und Bewegungsprofile praktisch jeden Bürgers in noch höherem Maße als Telefon-Verbindungsdaten. Es ist im Übrigen nicht nachzuweisen, dass eine Internet-Vorratsdatenspeicherung überhaupt einen statistisch signifikanten Beitrag zu der Zahl der aufgeklärten Straftaten leistete, nachdem die sechsmonatige IP-Vorratsdatenspeicherung im Jahr 2009 die Aufklärungsquote nicht gesteigert hat.“

    Sebastian Alscher, Vorsitzender der Piratenpartei Deutschland, ergänzt: 

    „Verdachtslose Vorratsdatenspeicherung hat nicht nur Auswirkungen auf alltägliche Entscheidungen, wie beispielsweise bei der Suche nach Hilfe, oder als vermeintliche operative Unterstützung der Strafverfolgung. Sondern sie ist auch Ausdruck des Verhältnisses zwischen Mensch und Staat. Mit der Entscheidung für eine verdachtslose Speicherung der Daten der Bürger für eventuelle Stafverfolgung erklärt der Staat alle betroffenen Menschen zu potentiellen Kriminellen. Wer sich für ein solches Mittel entscheidet, wer sich entscheidet den Menschen mit solchem Misstrauen zu begegnen, den kann man in seinem Wunsch eines partnerschaftlichen Umgangs mit öffentlichen Stellen oder mit Regierenden nicht wirklich ernst nehmen.“

    Quellen:

    [1] nextcloud.pp-eu.eu/index.php/s/QLkek3QRFLoAdzq

    [2] www.nextinpact.com/article/49818/au-conseil-constitutionnel-conservation-indifferenciee-donnees-connexion, www.laquadrature.net/2022/02/15/donnees-de-connexion-recours-devant-le-conseil-constitutionnel/

    [3] www.patrick-breyer.de/vorratsdatenspeicherung/

    Expertenrunde zu den Plänen beim Chaos Communication Congress 2021:

    EN: pretalx.c3voc.de/rc3-2021-cwtv/talk/JPSUKK/ (time stamps in video description)

    DE: www.youtube.com/watch?v=sgvqCEHTlj8

    [4] twitter.com/bmj_bund/status/1492147525511483397

  • Europa muss jetzt handeln

    Europa muss jetzt handeln

    Nachdem der russische Präsident Putin die Regionen Donezk und Luhansk als unabhängig anerkannt hat und die dortigen Rebellenführer Russland um Hilfe baten, hat am Donnerstagmorgen der Angriff russischer Streitkräfte auf die Ukraine begonnen. Nach dem Angriff auf ukrainische Luftwaffenstützpunkte sind nun nach Angaben des ukrainischen Grenzschutzes russische Truppen in den nördlichen Teil der Hauptstadtregion Kiew vorgedrungen.

    Sebastian Alscher, Vorsitzender der Piratenpartei Deutschland erklärt:

    „Mit dem heutigen Tag gibt es wieder Krieg in Europa. Das kann uns nicht schweigen lassen.

    Alle diplomatische Bemühungen, die vielen Worte, haben nicht geholfen, Präsident Putin davon abzuhalten, seine von langer Hand vorbereiteten Pläne umzusetzen. Die Bezeichnung der Ukraine als eigentlich russisches Territorium, hat hier vor wenigen Tagen den Weg gewiesen, was zu erwarten sein wird. Die Erklärung, dass das Minsk-Abkommen schon lange gescheitert sei, während die europäischen Verhandlungen nach wie vor an die Einhaltungen glaubten, zeigt, mit welch stumpfem Schwert gekämpft wurde.

    Bei diesem Krieg geht es nicht um die Vorherrschaft von NATO oder Russland, sondern zunächst einmal geht es um die Menschen und die Anerkennung der Unabhängigkeit eines Staates und seiner Grenzen in Europa. 40 Millionen Ukrainer sind ihrer Hoffnung beraubt, auf ein Leben in einem aufstrebenden Land, auf die Chance einer wachsenden Demokratie – stattdessen fürchten sie nun um ihr Leben. Unsere Gedanken sollten nun bei diesen Menschen sein, und wir sollten alles tun, um ihnen Hoffnung und Zuversicht zu geben. Dabei sollten wir im Hinterkopf behalten, dass Worte das nicht mehr erreichen werden.

    Europa kann keinen weiteren Weltkrieg wollen, eine Lösung kann daher nicht sein, in einen aktiven Krieg mit Russland einzutreten. Gleichwohl gilt es, die Menschen in der Ukraine zu schützen, ihnen zu zeigen, dass Völkerrechtsverletzungen von unserer Wertegemeinschaft nicht ungeahndet bleiben können. Wahre Europäer kann das nicht kaltlassen.

    Neben dem Schutz und der Unterstützung der Menschen in der Ukraine, müssen alle Register gezogen werden, um Putin zu einer Beendigung der Angriffe zu führen und an den Verhandlungstisch zu bringen. Hierbei geht es vor allem darum, Russland wirtschaftlich zu isolieren, Waren- und Finanzflüsse einzuschränken und zu unterbrechen. Natürlich darf dabei nicht vergessen werden, dass auch Menschen in Russland nicht für Putins Handeln verantwortlich sind. Gleichwohl kann es nur innenpolitischer Druck – durch die Bürger und Putins enges politisches Umfeld – sein, der zu einem Kurswechsel führt.

    Eine nicht zu unterschätzende Gefahr wird auf Europa in den kommenden Tagen zukommen, durch weitere Desinformationskampagnen, die uns als Gesellschaft spalten sollen, und durch Angriffe auf informationstechnische Anlagen wichtiger Infrastrukturen. Präsident Putin drohte bereits allen, die der Ukraine unterstützend an die Seite springen werden. Hier wird es einen Preis geben, den wir bereit sein müssen, zu bezahlen. Für die Demokratie, für Frieden und Freiheit in Europa. Für eine Chance und Perspektive der Menschen und zukünftiger Generationen.“