Schlagwort: Transparenz

  • CETA – Freihandel nach Gutsherrenart

    Demokratie macht doch so richtig Spaß, wenn man die Entscheidungen der (noch nicht mal gewählten) Volksvertreter serviert bekommt und dann einfach schlucken soll, was sich die hohen Herrschaften zusammen mit den ihnen gewogenen Konzernvertretern ausgedacht haben. 
     
    Die neueste Schöpfung aus dem Hause EU-Kommission (wir erinnern uns, eine Institution die nach Gutdünken der nationalen Regierungen besetzt wird und keiner parlamentarischen Kontrolle unterliegt) ist, das Abkommen (Konzept) CETA vorläufig in Kraft zu setzen. Also bevor die Parlamente die Gelegenheit bekommen, darüber abzustimmen. Das Perfide dabei ist, dass völkerrechtlich keine Möglichkeit besteht, den Vertrag einfach zu ignorieren, selbst wenn er danach von den Parlamenten abgelehnt wird. Wir sind dann gebunden an das, was die Kommission ausgehandelt hat, und das ist alles andere als gut.
      
    Wirtschaftsminister Gabriel, der immer wieder betont hatte, dass natürlich erst mal der Bundestag über CETA abstimmt, hat nun die SPD-typische Pirouette hingelegt und erklärt, dass das trotzdem alles voll demokratisch sei.
      
    Schnelle Wendemanöver der unantastbaren Standpunkte sind bei „Freihandelsabkommen“ ja ganz normal; nicht nur bei Justizministern ist die dynamische Anpassung der Meinung an die (von wem eigentlich?) vorgegebene Zielsetzung Standard.
      
    Gerade mal sechs Monate ist es her, da habe ich darüber geschrieben, dass EU- Komissarin Malmström CETA als endgültig und unveränderlich erklärt hat. Versucht man jetzt anhand der Angaben in diesem noch nicht gar so alten Artikel, die entsprechenden Stellen im offiziellen CETA Text zu finden, dann hat man dabei keinen Erfolg. Kapitel 22 ist zu Kapitel 20 geworden und die Absätze haben sich ebenfalls verschoben.
      
    Auf wundersame Weise hat sich das unveränderliche und endgültige Abkommen plötzlich doch verändert 
     
    Groß angekündigt wurde, dass die wenig beliebten Schiedsgerichte (ISDS) durch eine Konstruktion mit unabhängigen Richtern ersetzt werden (ICS). Das Ergebnis ist immer noch eine Paralleljustiz, die ausländischen Klägern einen Weg vorbei am regulären Rechtssystem erlaubt. Eine von multinationalen Konzernen gern genutzte Option, um über die Bande zu spielen und mittels Tochtergesellschaften gegen das eigene Land zu klagen. 
     
    Auch ist immer noch praktisch alles enthalten, was als ACTA schon einmal abgelehnt wurde. DRM (Digital Rights Management) soll gesetzlich geschützt werden.
      
    Ebenfalls erhalten blieb die Lex Monsanto: Testergebnisse zu Pflanzenschutzmitteln sollen 10 Jahre oder länger unter Verschluss gehalten werden.
      
    Kapitel 18 schafft die Grundlagen, die öffentliche Daseinsvorsorge zu privatisieren. Ausdrücklich wird festgeschrieben, dass öffentliche Dienste, die eine Monopolstellung besitzen, unter streng wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu führen sind. Wir freuen uns dann auf die ICS-Klagen, in denen z. B. die Privatisierung der Wasserversorgung durchgedrückt wird.
      
    Insgesamt macht die Neufassung von CETA eines ganz deutlich: Solche Abkommen sind kein Freihandel. Es sind Hütchenspielertricks, um die Bürger und die kleinen und mittelständischen Unternehmen über den Tisch zu ziehen und demokratische Prozesse auszuhebeln.
  • PIRATEN wünschen qualitativ bessere Arbeit der Behörden – Keine Ausweitung der Überwachung

    Stefan Körner, Bundesvorsitzender der Piratenpartei Deutschland:
    »Die Terroranschläge von Brüssel sind gerade erst geschehen, da machen sich die bundesrepublikanischen Law-and-Order-Überwacher aus der Bundesregierung daran, neue Forderungen zu stellen.

    Datenabgleich zwischen den europäischen Behörden der Mitgliedsstaaten erfasste Straftäter oder Terrorverdächtige betreffend zu betrachten, ist durchaus sinnvoll. Hier müssen wir der Regierung und den EU-Behörden dann allerdings die Frage stellen, warum das nicht längst geschehen ist. Thomas de Maizière und seine Behörde haben in diesem Punkt ihre Aufgabe nicht erfüllt.

    Innovativ ist der Innenminister bei seinem Forderungskatalog ja nicht. Darunter befinden sich immer noch Positionen wie die Vorratsdatenspeicherung, die Abschaffung von verschlüsselter Kommunikation im Internet, jetzt ist es auch der Datenschutz, der den Minister stört.[1]

    Als nächstes wird die Forderung nach dem ›Bundestrojaner‹ wiederholt werden. Wir haben als PIRATEN hierzu eine ganz klare Position:

    Die Piratenpartei Deutschland lehnt den Einsatz von Spionagesoftware strikt ab. Überwachung schafft keine Sicherheit. Sie greift vielmehr tief in die private Lebensgestaltung ein. Vertrauliche Kommunikation kann Menschenleben retten, etwa wenn Beratungsstellen anonyme Opferhilfe betreiben oder verzweifelte Menschen von einem möglichen Selbstmordversuch abhalten können. Diese Kommunikation muss vertraulich sein, ohne staatliche Überwachung.

    Unser Fazit ist: Der Innenminister und seine nachgelagerten Behörden sollten sich darauf konzentrieren, die ihnen bereits gestellten Aufgaben wie die Aufklärung von Straftaten und Verfolgung von Straftätern ernst zu nehmen. Sie sollten stattdessen nicht immer den Eindruck zu vermitteln suchen, mit mehr und neuer Überwachungstechnik ließen sich die Probleme lösen.«

     

    [1] Zitat de Maizière: »Datenschutz ist schön, aber in Krisenzeiten, und darüber hinaus, und wir sind in Krisenzeiten, hat die Sicherheit Vorrang.«

  • Interview mit Ute Elisabeth Gabelmann aka Piratenlily

    Wir haben sie zu ihrer Aussage „Jeder soll seine Party selbst bezahlen“ befragt und zu ihrer Arbeit in der Stadt Leipzig.

     

    Du bist Stadträtin in Leipzig. Welche Eindrücke hast du in der Kommunalpolitik gesammelt?

    Ich bin jetzt seit etwas über einem Jahr im Amt und mir sind von Beginn an zwei Punkte sehr stark aufgefallen:
    Zum einen dachte ich bisher immer, daß die Klischees, die man über andere Parteien im Kopf hat, eben nur das sind – nichts als Klischees. Allerdings hat sich herausgestellt, daß dem nicht so ist: Die Linken sind typische Linke, die Grünen sind typische Grüne usw. und das war für mich schon überraschend. Ich hatte eigentlich gedacht, daß das etwas ausdifferenzierter wäre, als ich es mir vorgestellt habe.

    Der zweite starke Eindruck ist, daß tatsächlich oft nicht danach geschaut wird, ob ein Vorschlag, eine Idee, ein Antrag sinnvoll sind, sondern ob die richtige Person diesen Antrag verfaßt hat. Das betrifft noch nicht mal Vorschläge, die aus dem undemokratischen Lager kommen, sondern vielmehr die Anträge der anderen Parteien des Parteienspektrums. Es kommt nicht selten vor, daß eine Fraktion den Antrag eines Fraktionsmitgliedes nicht einreicht, weil dieses Fraktionsmitglied eben zum falschen Flügel der Partei gehört.
    Mittlerweile hat sich unter den Stadträten herumgesprochen, daß meine Anträge per Fraktionsvertrag automatisch ins Verfahren kommen, so daß ich schon mehrfach gebeten wurde, Proxy zu spielen.

    Zur Zeit bist du in der Presse oft erwähnt worden, weil du ein Bürgerbegehren initiiert hast. Worum geht es dabei?

    Das ist eigentlich eine „alte“ Sache, die jetzt noch mal hochspült. 2014 hat Leipzig noch mit dem alten Stadtrat beschlossen, den 100. Katholikentag hier in Leipzig mit einer Million Euro auszustatten. Ich habe dann ein Bürgerbegehren initiiert, welches unter dem Label „(K)Eine Million“ unter anderem Piraten, Linke, Die Partei und diverse Vereine und Verbände sowie Einzelunterstützer zusammenführte, die alle zusammen über 18.000 Unterschriften sammeln konnten. Leider haben wir damit relativ knapp die benötigte Marke von etwa 22.500 verfehlt, weswegen der Stadtratsbeschluß in Kraft trat.

    In diesem Sommer nun findet der Katholikentag statt und wir wollen diesen kritisch begleiten. Dazu wird es in den kommenden Wochen nähere Informationen geben. Ich freu mich daher über Piraten und Piratenfreunde, die mich in diesen fünf Tagen im Mai (25. bis 29.05.) tatkräftig unterstützen können und wollen.

    Bezieht sich dein Protest/Widerspruch auf Trennung von Staat und Kirche, oder hat es was mit der Wirtschaftlichkeit in Leipzig zu tun?

    Unsere Kritik bezieht sich auf eine Reihe von Punkten:
    Zuerst einmal natürlich auf den laizistischen Aspekt der Trennung von Staat und Kirche. Wir Piraten haben uns da ganz klar positioniert und genau diese Haltung vertrete ich auch innerhalb von „(K)Eine Million“.
    Aber selbst wenn man nicht so ein großer Verfechter dieser Trennung ist, gibt es weitere Kritikpunkte: Die Wirtschaftlichkeit ist da tatsächlich ein großes Thema. Viele der Versprechungen, die seitens des Zentralkomitees der Katholiken gemacht wurden, werden in meinen Augen nicht eingehalten. Es entstehen weder zusätzliche Arbeitsplätze, noch haben Hotelbetreiber den erhofften Umsatz. Im Gegenteil: Der Katholikentag sucht massiv freiwillige Helfer, also kostenloses Personal, und Gratisunterkünfte bei Leipziger Bürgern.

    Wichtig fand ich aber auch von Anfang an, daß die Finanzierung des Katholikentages, die eben nicht eingeflochten ist in unseren gesamten kommunalpolitischen Finanzhaushalt, eine Sache gewesen wäre, die man im Zuge der Bürgerbeteiligung sehr schön hätte lösen können. Daher fand ich den Ansatz eines Bürgerbegehrens auch genau den richtigen Weg.

    Es ist ja Standard geworden, daß Länder, Regionen und Städte für große Events/Veranstaltungen ihre Geldbeutel öffnen. Wie findest du diese Entwicklung?

    Das kommt hauptsächlich darauf an, ob es sich bei den großen Veranstaltungen um solche handelt, die sich auch selber tragen könnten bzw. finanzkräftige Sponsoren und Unterstützer einwerben könnten, oder um solche, die einfach noch eine gewisse Anschubfinanzierung benötigen, um gute Arbeit zu leisten.
    Vorrangig würde ich lieber Veranstaltungen fördern wollen, die sozialen oder bildenden Charakter haben, als reine Show-Events wie große Konzerte oder Sportveranstaltungen.

    Bezogen auf den Katholikentag war aber immer die Ansage, daß gegen eine Förderung von Veranstaltungen an sich nichts zu sagen ist, sondern hier die besondere Ausrichtung des Katholikentages als missionarische Veranstaltung eine Rolle spielt.

    Zwei weitere Faktoren kommen hinzu: Das Budget des Katholikentages ist mit 10 Millionen Euro recht üppig geplant. Davon kommen 4,5 Millionen aus öffentlicher Hand. Wenn man nun einfach die Veranstaltung eine Nummer kleiner geplant hätte, wäre man sicherlich auch mit den 5,5 Millionen ausgekommen, die bereits von anderer Stelle eingeworben werden konnten. Zudem wäre es sicherlich auch der Institution Katholische Kirche möglich gewesen, den für sie ja sehr wünschenswerten Katholikentag weiter zu fördern. Daß diese sich hier so aus der Verantwortung zieht, ist für mich unverständlich.

    Wäre es für die Stadt Leipzig im Zuge der Bürgerbeteiligung nicht sinnvoller, die Bürgerinnen und Bürger in diese Diskussion einzubeziehen?

    Ja, total! Mir ist auch bis heute nicht klar, warum solche Steilvorlagen ungenutzt bleiben. Ich weiß aber aus Hintergrundgesprächen, daß der Katholikentag bereits bevor der Stadtrat überhaupt davon erfuhr, eine Zusage bekommen hat, daß er mit der Finanzierung rechnen kann. Das Land Sachsen hat dann nochmal drei Millionen Euro obendrauf gelegt, unter der Bedingung, daß auch Leipzig seine Million zahlt. Mit solchen gegenseitig voneinander abhängenden Versprechen tut man sich als Verwaltung natürlich schwer, dann so etwas wie eine Bürgerumfrage zu initiieren.

    Das wirklich Bestürzende war, daß diese Entscheidung beinah völlig geräuschlos und ohne Wissen der Leipziger über die Bühne gegangen wäre, wenn ich nicht durch Zufall auf den Sachverhalt gestoßen wäre, und zusammen mit der Giordano-Bruno-Stiftung einige Öffentlichkeitsarbeit geleistet hätte. Ich freu mich daher auch, daß unsere Arbeit hier vor Ort den Weg dafür geebnet hat, daß der Stadtrat in Münster den Wunsch des Zentralkomitees der Katholiken nach einer Finanzierung des Katholikentages dort abgelehnt hat. Mein Wunsch ist nun, daß auch andere Städte diesem Beispiel folgen. Hier in Leipzig hat man nichts dazugelernt und auch dem Evangelischen Kirchentag eine Million Euro zugesagt, obwohl dieser nicht mal in Leipzig stattfindet. Ich muß meinen Kollegen hier also eine akute Merkbefreiung unterstellen ausstellen.

    Für welche weiteren Themen engagierst du dich noch im Stadtrat von Leipzig?

    Mein absolutes Herzensthema ist Stadtentwicklung und Bau, einfach weil es so vielschichtig ist. Es hat einen sozialen Aspekt: Wie können wir alle Leipziger mit angemessenem Wohnraum überall in der Stadt versorgen? Es hat einen ästhetischen Aspekt: Wie soll das, was wir hier bauen, aussehen und wird es auch den Menschen gefallen, die darin wohnen sollen? Es hat einen räumlichen Aspekt: Wie verteilen wir die Dinge, die eine Stadt ausmachen, in dieser? Städtebau ist ja viel mehr als nur die Frage, wo neue Wohnungen gebaut werden. Es geht um Schulen, Kindergärten, Parks, Denkmäler, Brunnen, Sporteinrichtungen, Kulturgebäude, um Straßenbenennungen, öffentlichen Nahverkehr, Parkraum, Denkmalschutz usw.

    Mein zweiter Schwerpunkt ist Arbeitspolitik, was sich kommunalpolitisch meist auf alle Sachfragen rund um das Jobcenter beschränkt. Daher sitze ich auch für meine Fraktion im Jobcenter-Beirat und habe mir fest vorgenommen, in meinen fünf Jahren Mandatszeit dem Jobcenter mächtig Feuer unterm Hintern zu machen.

    Das hat bis jetzt auch schon gut geklappt: im November konnte ich in Zusammenarbeit mit einem der Köpfe von sanktionsfrei.de einige interne E-Mails des Jobcenters öffentlich machen, was dazu geführt hat, daß viele Leipziger Hilfeempfänger sich noch die Zahlung höherer Kosten der Unterkunft sichern konnten, die ihnen sonst entgangen wäre.

    Für diese Aktion wurde ich bereits zum städtischen Datenschutzbeauftragten zitiert und mir wurde seitens der Stadtverwaltung mündlich ein Disziplinarverfahren in Aussicht gestellt.

    Was war bisher dein größter Erfolg?

    Oh, das sind eher so die ein oder anderen Puzzle-Steinchen, die man als Erfolge verbuchen kann: Ich zähle da auf jeden Fall schon unseren Stadtratswahlkampf dazu, der ja in ein ganz anständiges Ergebnis gemündet ist, und danach hatten wir sogar noch eine Nachwahl zu bestreiten, in der wir es geschafft haben, unseren Sitz nicht wieder zu verlieren.

    Ich freue mich auch darüber, daß ich einen für uns positiven Fraktionsvertrag verhandeln konnte; durch „(K)Eine Million“ haben wir landesweit auf uns aufmerksam machen können und erst kürzlich konnte ich durch zähe Verhandlungen mit drei Fraktionen den Livestream aus dem Stadtrat nicht nur verteidigen, sondern auch weiter ausbauen, sodaß mehr Menschen an dem teilhaben können, was wir hier für sie entscheiden dürfen und müssen.

    Von außen klingt das sicher alles nach Kleinigkeiten, aber jeder, der kommunalpolitisch arbeitet, weiß, wie mühsam alles sein kann. Man freut sich da eben schon an jenen Kleinigkeiten.

    Kommunalpolitik kann sicher manchmal auch frustrierend sein. Was würdest du an der etablierten Politik sofort ändern, wenn du es dürftest?

    Die sächsische Gemeindeordnung ist oft hinderlich, gerade für kleine Parteien. Zuerst einmal würde ich das willkürliche Festlegen der Mindestanzahl an Ratsmitgliedern für eine Fraktion abschaffen – ein Fakt, der hier in Leipzig die Bildung einer kleinen Fraktion verhindert hat.
    Aber ich finde es auch ungerecht, daß Stadträte nur dann Anträge einreichen dürfen, wenn dem mindestens 20 % der Ratsversammlung (oder eben eine Fraktion) zustimmen. Dies hindert gerade Einzelstadträte oder in ihrer Fraktion nicht so beliebte Mitglieder der Ratsversammlung daran, ihre Ideen in den Prozeß einzubringen.

    Daß fast alle Ausschüsse unter Ausschluß der Öffentlichkeit tagen, sehe ich ebenfalls kritisch. Für einige wichtige Entscheidungen ist Vertraulichkeit sicher von Vorteil, gerade wenn es um Finanzverhandlungen geht, die sich sonst für die Stadt nachteilig entwickeln könnten, jedoch sollte es auch in beratenden Ausschüssen einen öffentlichen Teil geben. Dies wären alles kleine Schritte, die unproblematisch umzusetzen wären, und die die Ratsarbeit aus meiner Sicht bürgerfreundlicher und demokratischer machen würden.

    Welche weiteren politischen Ziele möchtest du in deiner Amtszeit erreichen?

    Oh, im Alleingang ist das natürlich schwer! Ich bin nur eine Piratin von 70 Stadträten und habe keine Piratenfraktion hinter mir, sodaß ich da lieber realistisch bleibe.
    Ein Anliegen wäre mir, daß die internen Dienstanweisungen des Jobcenters veröffentlicht werden müssen, um den auf Beihilfen angewiesenen Leipzigern zu ermöglichen, sich auf Augenhöhe mit dem Jobcenter zu bewegen. Ich ahne aber, daß die anderen Stadträte von einem solchen Anliegen eher wenig begeistert sind, wie mir die Reaktionen auf die Veröffentlichung interner Jobcenter-E-Mails gezeigt haben.

    Da aber auch der nächste Stadtratswahlkampf rein rechnerisch in meine Amtszeit fällt, ist ein weiteres Ziel, daß wir 2019 in Fraktionsstärke in den Stadtrat einziehen werden – Freibeuterfraktion, wir kommen!

    Vielen Dank für das Interview.

    Gerne 🙂

  • Kleine und Mittelständische Unternehmen (KMU) gegen TTIP

    Etliche Wirtschaftsverbände, die EU-Kommission und diverse andere Gruppen werden nicht müde, ständig zu erzählen, was das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) an Vorteilen für kleine und mittelständische Unternehmen bringen würde.

    Die PIRATEN und viele Initiativen wie auch KMU gegen TTIP sehen das deutlich anders und warnen schon länger davor, dass TTIP viel verspricht, davon wenig halten kann, dafür aber diverse negative Effekte bringen würde. 

    Bisher standen die Aussagen gegeneinander, wie Unternehmen das Handelsabkommen sehen. Die Befürworter, ganz vorne mit dabei der BDI, wähnten den exportstarken deutschen Mittelstand hinter sich. Nur wollte das nicht dazu passen, dass man in Gesprächen selten Unternehmer trifft, die für TTIP sind.

    Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft, einer der größten Wirtschaftsverbände überhaupt (über 270.000 direkte und indirekte Mitgliedsunternehmen), wollte das jetzt genauer wissen.

    Das Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos führte eine Umfrage unter BVMW-Mitgliedsunternehmen durch, die von 800 Unternehmen beantwortet wurde. Fast die Hälfte dieser Unternehmen exportiert selber. Das ist erheblich mehr als der Durchschnitt und verleiht den Ergebnissen damit noch mehr Gewicht, da die betroffenen Unternehmen überrepräsentiert sind.

    Nur 19 % der Unternehmen sehen bessere Exportchancen durch TTIP, aber 46 % erwarten mehr Konkurrenzdruck. Positive Auswirkungen erwarten die meisten nur für große Konzerne.

    Eine Angleichung von Standards wollen 66 % der Unternehmen lieber in multilateralen als in bilateralen Verträgen geregelt sehen. Und nur 16 % sehen Schiedsgerichte als sinnvoll an.

    Vor allem von Politik und Wirtschaftsverbänden erwarten sich die Unternehmen mehr Informationen über die geplanten Abkommen.

    Insgesamt kann man das Ergebnis als schallende Ohrfeige für eine verfehlte Wirtschaftspolitik der EU sehen. Es wird Zeit, dass in Brüssel die Einsicht ankommt, dass die Wirtschaft nicht nur aus wenigen Großunternehmen, sondern überwiegend aus sehr vielen kleinen und mittleren Unternehmen besteht. Diese Unternehmen sind wie die meisten Bürger nicht gegen Freihandel, aber sehr wohl gegen TTIP, das haben wir jetzt schriftlich.

    Das komplette Ergebnis der Umfrage:
  • Landtagswahl in Rheinland-Pfalz – Listenkandidat #1 – Thomas Marc Göbel

    Landtagswahl in Rheinland-Pfalz – Listenkandidat #1 – Thomas Marc Göbel

    Landtagswahl in Rheinland-Pfalz – Listenkandidat #1 – Thomas Marc Göbel

    1. Am besten stellst du dich kurz vor: Wer bist du, wie alt bist du und was machst du?

    Thomas Marc Göbel, 50, Datenschützer.

    2. Wie bist du denn zu den PIRATEN gekommen und was für
    Interessenschwerpunkte hast du?

    Im Januar 2012, als es ein schnelles Internet bei uns durch den „Breitbandausbau“ auf dem Land gab, kam ich zu den PIRATEN, weil es die logische Konsequenz im Hinblick auf meine Grundsätze war: Grundrechte erhalten, Freiheit sichern, Datenschutz und Bürgerrechte stärken und nicht mehr von der Politik auf den Arm genommen und hintergangen werden.

    Ich bin in vier Landesverbänden Datenschutzbeauftragter und im Bund Stellvertreter des Bundesdatenschutzbeauftragten der PIRATEN, habe in einer Reihe AGs mitgearbeitet, in RLP zum Beispiel in der AG Bauen und Verkehr, die sich unter anderem mit der Hochmoselbrücke, dem Ausbau der B 10 und dem Ausbau des ÖPNV beschäftigt hat. Ich bin bei der AG Datenschutz im Bund immer wieder mal dabei und habe lange Zeit als Teamleiter eines der Bundesparteitagsteams die Durchführung der Parteitage begleitet.

    3. Du kandidierst jetzt für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Hast du dir Themen vorgenommen, auf die du im Wahlkampf setzen willst ?

    Im Wahlkampf haben wir eine deutliche Strategie in RLP ausgebaut, die durch eine Vielzahl an Schwerpunktthemen Profil zeigt.

    Dabei liegen mir der Datenschutz, die Transparenz des Staates und die Bürgerrechte bis hin zu einer Verbesserung der Situation der ALGII-Empfänger, aber auch der Grundsicherungs- und Rentenempfänger am Herzen. Dort werden meine persönlichen Schwerpunkte liegen, so wie man mich im Wahlkampf dort findet, wo er entschieden wird: beim Wähler, am Infostand, auf der Straße und an der Haustür.

    4. Welche cleveren Wahlkampfideen hast du, mit denen du Bürgerinnen und Bürger überzeugen kannst, den PIRATEN ihre Stimme zu geben und wofür brauchst du die Wahlkampfhilfe engagierter PIRATEN?

    Ob meine Ideen clever sind – weiß ich nicht. Ich werde einfach von Haustür zu Haustür gehen, Guten Tag sagen und mich persönlich mit Handschlag vorstellen und darum bitten, dass die Menschen wählen gehen. Ich bin für Menschen und Menschlichkeit. Ich bin gegen Gefühllosigkeit und gegen Unmenschlichkeit. Das brauchen wir in der Politik. Die Erinnerung, dass die Politik für Menschen und nicht für die Verwaltung und die Lobbykultur gemacht werden soll.

    5. Stell dir vor, du wirst in den rheinland-pfälzischen Landtag gewählt. – Mit welchen Initiativen wirst du beweisen, dass die PIRATEN die Politik nachhaltig verändern und Positives für die Bürgerinnen und Bürger tatsächlich erreichen können?

    Meine ersten Anträge – so ich mich mit meinem Mitpiraten darauf verständigen kann – werden in Richtung mehr Transparenz, Offenlegung der Nebeneinkommen, Förderung der Subsidiarität und Stärkung der Bürgerbeteiligung gehen. Sie werden in Richtung einer Kontrollentfernung der Politik aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehen und sollen die bisherigen Regierungen in die Lage bringen, sich in die Karten schauen zu lassen.

    Wir brauchen Konzepte auf Landesebene, die den in Not geratenen Kriegsvertriebenen und Geflüchteten genau so gerecht werden wie den Bürgern, die dank ausreichender Kampagnen und entsprechender Berichterstattung nun Angst haben, dass das, was von ihnen im Leben erarbeitet wurde, durch diese Menschen in Not gefährdet ist, was aber eben nicht der Fall ist. Dass alleine schon das Geld, das hier ausgegeben wird, direkt im Kreislauf der Wirtschaft ankommt, muss in die Köpfe der Menschen erst wieder hinein gebracht werden. Und dafür müssen wir PIRATEN Sorge tragen.

  • Landtagswahl in Rheinland-Pfalz – Listenkandidat #2 – Ingo Höft

    Landtagswahl in Rheinland-Pfalz – Listenkandidat #2 – Ingo Höft

    Landtagswahl in Rheinland-Pfalz – Listenkandidat #2 – Ingo Höft

    1. Am besten stellst du dich kurz vor: Wer bist du, wie alt bist du und was machst du?

    Mein Name ist Ingo Höft, bin 66 Jahre alt und ich bin Systemplaner in Ruhestand (auch Rentner genannt). Der Beruf entspricht also dem Klischee für PIRATEN als computeraffin.

    2. Wie bist du denn zu den PIRATEN gekommen und was für Interessenschwerpunkte hast du, hast du Ämter inne gehabt, in AGs mitgearbeitet?

    Berufsbedingt war mir schon immer klar, wie leichtsinnig Anwender mit ihren personenbezogenen Daten umgehen. Lange Jahre war ich einsamer und oft milde belächelter Warner. Als dann die PIRATEN 2009 nach der Bundestagswahl und gegen Zensursula und die Vorratsdatenspeicherung in Erscheinung traten, waren sie für mich genau die richtige Partei. Als Schwerpunkte liegen mir die Transparenz in staatlichen Institutionen und in Parlamenten, die Bürgermitbestimmung als Einstieg in die direkte Demokratie und der Kampf gegen die Korrumpierung in den Parteisystemen als Gesetzmäßigkeit am Herzen, konkret auch in der Piratenpartei. Ich möchte mit Hilfe des Internets die Demokratie neu erfinden.

    Seit 2010 war ich als Beisitzer und Politischer Geschäftsführer (4 Jahre), dann als Generalsekretär (bis heute) im Landesvorstand tätig. Je nach Aktualität war ich in mehreren AGs aktiv, z. B. AG Kommunalpolitik, AG Informationsfreiheitsgesetz, AG Lektorat.

    Die Ständige Dezentrale MitgliederVersammlung (SDMV) habe ich mit entwickelt und eingeführt sowie die Antragsfabrik programmtechnisch überarbeitet und verwaltet. Die PiratenDatei als landesspezifische Mitgliederverwaltung programmiere ich und habe sie zum Einsatz gebracht.

    3. Du kandidierst jetzt für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Hast du dir Themen vorgenommen, auf die du im Wahlkampf setzen willst ?

    Nach dem neuen Transparenzgesetz (seit 1.1.2016) müssen Gemeinden und Gemeindeverbände nichts veröffentlichen. Das ist ein Witz! Gerade in den Kommunen wird am meisten hinter der Hand gehalten und es besteht dort ein erhöhter Bedarf der Bürger an Informationen. Außerdem muss unbedingt verhindert werden, dass Julia Klöckner von der CDU die Bürger weiterhin dumm halten will und – wie von ihr angekündigt – das Transparenzgesetz wieder abschafft.

    Die Quoren für Volksabstimmungen in Rheinland-Pfalz wurden zwar kürzlich herabgesetzt, aber das reicht bei weitem noch nicht, um praktisch eine Volksabstimmung durchführen zu können. Die Quoren und Hürden müssen endlich auf ein praktikables Maß reduziert werden.

    4. Welche cleveren Wahlkampfideen hast du, mit denen du Bürgerinnen und Bürger überzeugen kannst, den PIRATEN ihre Stimme zu geben und wofür brauchst du die Wahlkampfhilfe engagierter PIRATEN?

    Eine Idee wäre, eine „Volksabstimmung“ durchzuführen, in der der Bürger abstimmen kann, ob die Quoren für Volksabstimmungen herabgesetzt werden sollen (natürlich präziser formuliert).

    5. Stell dir vor, du wirst in den Rheinland-Pfälzischen Landtag gewählt. Mit welchen Initiativen wirst du beweisen, dass die PIRATEN die Politik nachhaltig verändern und Positives für die Bürgerinnen und Bürger tatsächlich erreichen können?

    Veröffentlichung auch von Zwischenergebnissen der parlamentarischen Arbeit, soweit irgendwie möglich, gerne auch kontrovers. Ich würde versuchen, die interne parlamentarische Meinungsfindung öffentlich zu gestalten, wie wir es in der Piratenpartei üben.

  • PIRATEN unterstützen den Aktionstag „AufRecht bestehen“ am 10. März 2016

    Zum dritten Mal in Folge unterstützt die Piratenpartei Deutschland die bundesweite, dezentrale Kampagne „AufRecht bestehen“ am 10. März 2016. Schwerpunkt des diesjährigen Aktionstages, der unter dem Motto „Ansprüche verteidigen – Sanktionen abschaffen!“ steht, ist die geplante „Rechtsvereinfachung“ bei „Hartz IV“ und die Abschaffung der Sanktionen.

    Die Verlängerung des Bewilligungszeitraums von sechs auf zwölf Monate ist die einzige Vereinfachung in dem Gesetzentwurf, die bereits seit Jahren gängige Verwaltungspraxis in den Jobcentern ist. Es wird weiterhin an der Möglichkeit der Sanktionierung des soziokulturellen Existenzminimums festgehalten. Die ursprünglich angedachte Abschaffung der verschärften Sanktionen für Menschen unter 25 Jahren ist auf Druck von Horst Seehofer (CSU) nicht erfolgt. Damit hat die Bundesregierung die Chance verpasst, die menschenunwürdige Sanktionspraxis abzuschaffen und überlässt die politisch notwendige Entscheidung wie so oft dem Bundesverfassungsgericht.
    So liegt derzeit schon eine Beschlussvorlage des Sozialgerichts Gotha beim Bundesverfassungsgericht zur Überprüfung der Sanktionen nach § 31 SGB II auf Verfassungsmäßigkeit vor.

    Weiterhin kritisiert die Piratenpartei, dass Datenschutz und Bankgeheimnis in der Gesetzgebung wie auch in der Praxis für Hartz IV-Betroffene nur eingeschränkt gelten. So ist es Sozialbehörden nach wie vor erlaubt, Kontostände bei Banken ohne Einwilligung der Betroffenen abzufragen. Auch Wohnungskontrollen, um sogenannte Bedarfsgemeinschaften aufzudecken, sind inzwischen zur Praxis geworden.

    »Für die Piratenpartei gelten die Persönlichkeitsrechte und damit verbunden der Datenschutz und die Privatsphäre eines jeden einzelnen Bürgers als ein unverrückbares Grundrecht,« so Stefan Körner, Bundesvorsitzender der Piratenpartei.

     

  • PIRATEN wollen Bundesministerium für Datenschutz und Informationsfreiheit

    Die Piratenpartei Deutschland fordert die Einrichtung eines Bundesministeriums für Datenschutz und Informationsfreiheit.

    Es sollen eine flächendeckende, sichere und leistungsfähige Kommunikationsstruktur, die Möglichkeit des selbstbestimmten Umgangs mit den eigenen Daten im privaten und öffentlichen Bereich sowie die Grundlagen für die konsequente Umsetzung der Informationsfreiheit sichergestellt und Transparenz in Politik und Verwaltung gewährleistet werden.

    Hierzu Stefan Körner, Bundesvorsitzender der Piratenpartei Deutschland:
    „Die Einrichtung eines Bundesdatenschutzministeriums soll der Bedeutung des digitalen Wandels für uns alle in der Politik Rechnung tragen. Wir brauchen eine Bundesinstanz, die sich für den Schutz unserer Daten im Internet stark macht. Dazu gehören die Gewährleistung einer sichern Kommunikation, klare und strenge Datenschutzvorschriften, unzensierte Informationen und ein Verbot der anlasslosen Vorratsdatenspeicherung (VDS). Für die technologische Entwicklung dieses Landes ist es wichtig, dass diese wichtigen Bereiche in einem leistungsfähigen Ministerium vereinigt und geschützt werden. Nur so bleibt Deutschland ein zukunftsfähiger Technologie- und Informationsstandort und mutiert nicht zum allseits bekannten Neuland“, so Körner abschließend.

    Andreas Augustin, Datenschutzpolitischer Sprecher der Piratenfraktion im Landtag des Saarlandes, ergänzt hierzu: „Wir haben es gerade erst erlebt, dass Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags zunächst zu internen Dokumenten erklärt wurden, dann jedoch nach einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts (Az.: BVerwG 7 C 1.14) doch Antragstellern auf Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz zur Verfügung gestellt werden mussten. Daraufhin sah sich der Bundestag veranlasst, Dokumente nun auch proaktiv zu veröffentlichen. Dies ist nur das jüngste Beispiel unnötiger Geheimhaltung von Gutachten, Essays und Heraushebungen, die aus Steuergeldern bezahlt wurden und dem Steuerzahler deshalb auch zur Verfügung gestellt werden müssen. Dies durchzusetzen und mehr Transparenz des Verwaltungshandelns durch proaktive Veröffentlichung von staatlichen Dokumenten zu fördern, sollte als hoheitliche Aufgabe ebenfalls bei diesem neu zu schaffenden Ministerium angesiedelt werden.“